Seit sechs Tagen schleudert der Ätna Asche über Sizilien und der wichtigste Flughafen der Insel steht still. Zwischen dem 8. und 11. August fielen in Catania rund 700 Flüge aus, Ankünfte und Abflüge zusammengerechnet. Der Betrieb bleibt bis 2 Uhr in der Nacht zum 14. August ausgesetzt, am Vorabend von Ferragosto, dem großen italienischen Ferientag. Zehntausende Passagiere kommen nicht weg.
Warnstufe Rot und tiefe Risse
Am Mittwoch gegen 11.30 Uhr öffnete sich am Fuß der Nordwand des Vulkans eine neue Eruptionsspalte auf etwa 2090 Metern Höhe. In der Nacht davor war im selben Bereich schon eine Spalte aufgerissen, rund 190 Meter tiefer. Das melden laut rainews.it Fachleute des italienischen Geophysik-Instituts INGV, die vor Ort messen.
Die Warnstufe steht auf Rot. Lava fließt ins Valle del Leone und ins Valle del Bove, drei der vier Spalten speisen die Ströme, beobachtet über Wärme- und Videokameras. Das Valle del Bove ist eine Wüste aus Asche und Gestein. Dort unten wohnt niemand.
Das Problem sitzt im Krater Voragine, der eine Aschewolke ausstößt, die nach Süden bis Südwesten zieht. Also genau in Richtung Flughafen.
Aschepartikel sind für Flugzeugturbinen gefährlich, deshalb sperrte die Betreiberin SAC den Luftraumsektor B3 und verlängerte die Sperre gleich weiter. Passagiere sollen ihren Flugstatus bei der Airline prüfen, bevor sie überhaupt losfahren.
Feiner Ätna-Staub bedeckt Dach, Motorhaube und Scheibe eines geparkten Autos in Catania.
© Lena Klimkeit/dpa
Wie lange das so bleibt, kann niemand sagen. Stefano Branca, der Direktor der Vulkan-Abteilung des INGV, erklärt in dem Bericht, es sei völlig unmöglich, die Dauer der Ätna-Aktivität vorherzusagen; die Flughafenprobleme hingen davon ab, ob der Wind nach Süden wehe.
Der Flughafen leert sich – gewartet wird jetzt am Bussteig
Das Terminal in Catania wird inzwischen nicht mehr gestürmt wie in den Tagen zuvor. Wer noch dort ist, wartet meist auf einen der Busse nach Palermo, Trapani, Comiso oder Lamezia.
Nello Musumeci, heute Minister für Zivilschutz, sagt, die Lage werfe ein Problem auf, das Sizilien seit langem kenne. Fehl am Platz sei nicht der Vulkan, sondern der Flughafen.
Der Ätna ist einer der aktivsten Vulkane Europas, Ausbrüche gehören zur Normalität. Ein neuer Flughafen in der Ebene zwischen Catania und Enna würde allerdings Milliarden kosten; der Bau würde Jahre dauern, und er läge weiter weg von der Stadt.
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