Flüchtlingsdrama

Kopflos in die Krise

Sozialsenator Czaja von Mittes Bürgermeister abgewatscht.

Anica Böhme Claudia Keikus-Wilms Marcus Böttcher
Lesezeit 3 Min
Hunderte Flüchtlinge kommen täglich am Lageso an, die Zustände werden massiv kritisiert. Immer wieder muss die Polizei einschreiten ...

Hunderte Flüchtlinge kommen täglich am Lageso an, die Zustände werden massiv kritisiert. Immer wieder muss die Polizei einschreiten ...

© dpa

... wie am Flughafen Tempelhof, auf dem es am Sonntag zu einer Massenschlägerei kam.

... wie am Flughafen Tempelhof, auf dem es am Sonntag zu einer Massenschlägerei kam.

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Stellvertretend für das Drama: Thomas Vogt, Vize-Wachleiter der Freiwilligen Feuerwehr Karlshorst, einer von Tausenden Ehrenamtlichen, die sich täglich um die Flüchtlinge kümmern. Der Familienvater sagt: „Wir, meine Kameraden und ich, können nicht mehr.“ Ein Wunder ist das nicht. 40 Stunden in der Woche arbeitet der Lichtenberger als Medizintechniker, dazu knapp 20 bei der Feuerwehr. Also Brände löschen, Menschen in Not helfen, verkeilte Unfallautos befreien. Hinzu kommen seit Monaten die unzähligen Stunden, in denen er mit seiner Wehr Flüchtlingsbetten transportiert und aufbaut.

Unter Beobachtung: Sozialsenator Mario Czaja (CDU).

Unter Beobachtung: Sozialsenator Mario Czaja (CDU).

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35 000 Flüchtlinge sind mittlerweile in den rund 70 Berliner Notunterkünften untergebracht, darunter 30 Turnhallen. 500 kommen täglich in Schönefeld an. Wohin mit ihnen? Es scheint, als würde die Stadt im Chaos versinken. Die Stimmung jedenfalls ist explosiv. Bei Flüchtlingshelfern, in den Heimen selbst, auch in der Politik.

Mittes Bezirksbürgermeister Christian Hanke (SPD) etwa wirft der zuständigen Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales „monatelanges Organisationsversagen“ vor. „Berlin hat keine Flüchtlingskrise, sondern ein (politisch gewolltes?) Verwaltungsversagen“, erklärte Hanke.

Mittes Bezirksbürgermeister Hanke wirft dem Senat Versagen vor.

Mittes Bezirksbürgermeister Hanke wirft dem Senat Versagen vor.

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Die Behörde unter Sozialsenator Mario Czaja (CDU) müsse sofort dafür sorgen, dass nachts nicht länger Flüchtlinge unversorgt in der Kälte warten müssten. Dazu müssten staatliche Ansprechpartner vor Ort sein. Bisher laste deren Versorgung auf den ehrenamtlichen Helfern. Und, die beheizten Zelte auf dem Lageso-Gelände müssten auch nachts geöffnet sein. Hanke ist ist nicht der erste, der Czaja kritisiert. Auch Berlins Regierender Michael Müller hatte den Sozialsenator bereits abgewatscht. Und Berlins CDU? Sie ist „empört und überrascht“ über einen heimlichen Bericht über einen Auftritt von Mario Czaja bei einer Veranstaltung zur Flüchtlingspolitik, der im Auftrag von Senatssprecherin Daniela Augenstein angefertigt worden ist. CDU-Generalsekretär Kai Wegner erinnerte das „an Stasi-Methoden aus längst vergangenen Zeiten“.

Am Montag (30.11.) besuchte Claudia Roth (Grüne) das Lageso.

Am Montag (30.11.) besuchte Claudia Roth (Grüne) das Lageso.

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Zerfleischen statt zusammenarbeiten. Den aus Kriegs- oder Armutsgebieten geflüchteten Menschen helfen die Scharmützel nicht. Sie versuchen, zusammengepfercht, ein halbwegs erträgliches Leben zu führen. Allein im Flughafen Tempelhof sind 2300 Menschen, darunter 800 Minderjährige, untergebracht. Sonntagnachmittag hatten mehrere hundert Flüchtlinge randaliert. 120 Polizisten waren im Einsatz. Es gab 20 Festnahmen (KURIER berichtete). Kurz darauf krachte es in Spandau, in Niederschönhausen griff ein Flüchtling einen Wachmann an. Wie also geht es weiter? Unklar. Der KURIER fragte bei Innensenator Frank Henkel nach. Eindeutige Antwort: „Ja, wir sind an der Kapazitätsgrenze.“ Und nun?  

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