Eine neue Notunterkunft für neu angekommene Flüchtlinge ist in Berlin-Karlshorst eröffnet worden. Die ersten 200 Bewohner hätten das leerstehende ehemalige Bürogebäude der Telekom am Freitagabend bezogen, sagte die Sprecherin der Sozialverwaltung, Regina Kneiding, am Samstag. Die Platzzahl werde sukzessive erweitert; bereits am Sonntag könnten weitere 100 Flüchtlinge dort unterkommen. Betreiber ist das Deutsche Rote Kreuz. Zudem stellte die Caritas in kleineren Unterkünften für das Wochenende rund 100 zusätzliche Plätze zur Verfügung.
Die Situation auf dem Gelände des Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lageso) in Moabit hatte sich am Freitag zugespitzt. Bei Temperaturen von fast 40 Grad hatten am Freitag erneut Hunderte neu angekommene Asylbewerber vor der Zentralen Aufnahmestelle ausgeharrt, um sich registrieren zu lassen. Es kam zu Handgreiflichkeiten mit Sicherheitskräften, als rund 15 Flüchtlinge versuchten, das Gebäude unerlaubt zu betreten. Ein Asylbewerber wurde verletzt, ein Mann, der nicht zu den Flüchtlingen gehörte, vorläufig festgenommen.
Die Opposition und auch die regierende SPD sprachen von „unmenschlichen Bedingungen“ auf dem Lageso-Gelände. Politiker der Grünen, der Linken und der Piraten forderten den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) zum Handeln auf. Er müsse die Flüchtlingspolitik zur Chefsache machen, sagte etwa die Grünen-Vorsitzende Bettina Jarasch. Der parlamentarische Geschäftsführer der Piratenfraktion, Heiko Herberg, kritisierte am Samstag im RBB-Inforadio, dass Sozialsenator Mario Czaja (CDU) trotz der Zustände vor dem Lageso seinen Urlaub nicht abgebrochen habe. dpa
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