„Titten raus, es ist Sommer“ heißt der Hit, geschrieben von „DJ Düse“. Wenn er läuft, grölen alle.
Dabei bleiben die Brüste in vielen Regionen Deutschland eher drin – zumindest an den Badestränden. „Es gibt immer weniger Menschen, die nackt baden“, sagte Matthias Oloew, Sprecher der Berliner Bäderbetriebe, im KURIER.
Auch die FKK-Vereine bemerken, dass sich weniger Berliner ohne Bikini und Höschen in der Sonne räkeln.
Dabei ist Berlin in den deutschen Nackt-Memoiren fest verankert. Die Hauptstadt gehörte zu den Orten, an denen alles ihren Anfang nahm.
Der erste FKK-Verein wurde im Jahr 1898 in Essen gegründet – die Berliner sprangen gleich auf den Zug auf.
„In den Hinterhöfen war es dunkel, und es gab junge Leute, die haben gesagt: Wir müssen hier raus. Außer Steinwüsten und Arbeit gibt es noch was anderes!“
So beschrieb Wolfgang Weinreich, einst Vizepräsident des Deutschen Verbandes für Freikörperkultur, die Anfänge der Nackt-Bewegung. Sie gingen nach draußen, ließen die Hüllen fallen, entdeckten das „Nacktsein ohne erotischen Touch“.
Kurze Zeit später gab es schon 50 FKK-Vereine. Während Konservative das Nacktbaden als Sittenverfall betrachteten, kämpften andere für den hüllenlosen Sommer.
Vorn dabei: der Kreuzberger Adolf Koch. Er gründete das Institut für Freikörperkultur und mehrere Gymnastikschulen.
Der erste FKK-Strand öffnete 1920 auf Sylt. Mit der Machtergreifung durch die Nazis im Jahr 1933 kam dann aber das Verbot der FKK-Bewegung. Viele Vereine wurden aufgelöst, ihre Vermögen beschlagnahmt.
Nach dem Krieg ließen Naturisten im ganzen Land schnell wieder die Hüllen fallen, gründeten neue Vereine.
Die richtige Renaissance erlebte das Nacktbaden in der DDR. In den frühen 50er Jahren führten Künstler in Ahrenshoop an der Ostsee das Nacktbaden ein.
Später wurde es verboten, erlaubt, dann wieder verboten, bis die DDR-Führung das textilfreie Baden 1956 gestattete.
In den 70ern wurde die Nacktheit zur Massenbewegung. An den Seen der Stadt wurden FKK-Bereiche ausgewiesen (u.a. am Müggelsee), andere wurden geduldet.
Wie tief die FKK-Kultur im Alltag der DDR verankert war, zeigt auch ein Foto der Ost-Berliner 750-Jahr-Feier im Jahr 1987 – in der Parade fuhr ein Nackedei-Wagen mit, auch an Erich Honecker vorbei.
Nach dem Boom der Einbruch der FKK-Bewegung. „Es wurde eine Generation übersprungen“, sagt Fotograf Norbert Sander dem KURIER.
Der 29-Jährige, selbst überzeugter Nacktbader, knipste für den Bildband „Bühne frei: Nackedei“ rund 100 Nudisten, auch in Berlin. „Ich denke aber, dass das Nacktbaden unter jungen Leuten immer mehr Anhänger finden wird.“
Dafür sei der Trend zur Natürlichkeit verantwortlich – „öko“ ist in.
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