In der Kieler Förde und in der Lübecker Bucht sind am vergangenen Wochenende tausende Fische verendet. Das berichtet die Wasserschutzpolizei. Die Tiere erstickten im Wasser.
Sauerstoffarmes Wasser strömt an die Oberfläche
Auslöser war nach Angaben des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel ein Windeffekt. Ablandiger Wind schob in den Tagen zuvor sauerstoffreiches Wasser von der Oberfläche hinaus aufs offene Meer. Aus der Tiefe strömte dafür Wasser nach, das kaum Sauerstoff enthielt. Fachleute sprechen von „Upwelling“ – einem Vorgang, der sich in der Ostsee wiederholt.
Videos vom Ufer: Menschen holen sterbende Fische heraus
In sozialen Netzwerken kursieren seit dem Wochenende Aufnahmen aus Kiel. Sie zeigen Fische, die an der Oberfläche nach Luft schnappen, und Menschen, die die Tiere herausziehen, teils töten und einpacken. Der Kommunale Ordnungsdienst riegelte daraufhin das Ufer an der Hörn ab.
Rechtlich ist die Lage klar: Ohne Angelschein ist die Entnahme von Fischen nach dem Strafgesetzbuch verboten. Bei Fischwilderei drohen Geldstrafen, in schweren Fällen Freiheitsstrafe. Für bedrohte Arten wie Dorsch und Meerforelle gilt zudem ein generelles Entnahmeverbot.
Ob in Kiel tatsächlich Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten begangen wurden, ist offen. Konkrete Erkenntnisse dazu liegen der Polizei nach eigenen Angaben bislang nicht vor. Für die Gefilmten gilt die Unschuldsvermutung.
Umweltverband fordert Schutzstreifen an den Feldern
Für den Umweltverband BUND ist das Fischsterben ein Warnsignal. „Diese Tragödie macht deutlich, wie akut das Problem der Todeszonen ist“, sagte Verena Platt-Till, Meeresschutz-Referentin des BUND-Landesverbands Schleswig-Holstein, NDR Schleswig-Holstein.
Der Verband dringt darauf, den Nährstoffeintrag der Landwirtschaft ins Meer zu verringern. Ein Weg dorthin sei ein zehn Meter breiter Gewässerrandstreifen, auf dem weder gedüngt noch gespritzt werden dürfe, so Platt-Till.
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