Wenn der Klassiker am Mittwoch bei den Ufa-Filmnächten ein zweites Mal Weltpremiere feiert, ist das Wilkening zu verdanken. Mehr als ein Jahr lang arbeitete sie an dem Vorhaben, den „Geiger“ so wiederherzustellen, wie ihn sich Regisseur Paul Czinner vorgestellt hatte. Dafür musste sie verlorene Szenen finden, die in der verbreiteten, stark gekürzten US-Fassung fehlen.
Abnutzungserscheinungen machen Material unbrauchbar
Im Bundesarchiv entdeckte Wilkening eine britische Fassung, dazu eine russische Verleihkopie. Was die Expertin auf den Filmrollen sah, wich klar von dem ab, was sie bisher als „Geiger von Florenz“ kannte.
Anke Wilkening restauriert Filme.
© Bertelsmann
In der Kurzfassung fehlt etwa die Anfangsszene, die Hauptdarstellerin Elisabeth Bergner als Teenager Renée einführt. Die Szene ist in den beiden wiederentdeckten Versionen enthalten. Obwohl die russische Fassung erst am vollständigsten erschien, erwies sie sich doch als am wenigsten brauchbar. Denn Abnutzungsschäden verursachten Bildsprünge. Wilkening ließ alles verwendbare Material digitalisieren und fügte die verschiedenen Fassungen am Computer neu zusammen. So entstand ein vervollständigter Film, der den historischen Erkenntnissen zur Premieren-Fassung entspricht.
Klassiker sind zusammengepuzzelt
Die Finanzierung stellte das Unternehmen Bertelsmann sicher. Es half Wilkenings Arbeitgeber, der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, schon häufiger, verlorene Ur-Fassungen aus weltweit kursierenden Filmrollen neu zusammenzufügen. Selbst Film-Fans ahnen oft nicht, dass die „Klassiker“ in ihrem DVD-Regal regelrecht zusammengepuzzelt wurden.
Wilkenings „Geiger“-Fassung läuft am Mittwoch bei den Ufa-Filmnächten (22. bis 24. August) auf der Museumsinsel. Neu komponierte Filmmusik wird live gespielt. Der Sender Arte zeigt den Film am 24. September.
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