Doch jetzt zeichnet ein Dokumentarfilm ein ganz anderes Bild von den harten Jungs, das so gar nicht zu dem bösen Image passen will. "Ein Hells Angel unter Brüdern" feierte gerade im Berliner Programmkino "Babylon" Premiere. Erfolgs-Filmemacher Wim Wenders (69) ließ sich neben Regisseur Marcel Wehn ablichten. Am Donnerstag läuft der Film bundesweit an - wenn auch nur in einer Handvoll Kinosäle. Angeblich boykottieren die großen Kinoketten den Film - aber das gehört wohl vor allem zum Guerilla-Marketing, das dem Film (von der Filmförderung unterstützt, von Arte koproduziert) Aufmerksamkeit verschaffen soll.
Im Mittelpunkt des Films steht Lutz Schelhorn, gelernter KFZ-Mechaniker und Präsident der Stuttgarter Hells Angels. Schelhorn passt zwar äußerlich in das Rocker-Klischee, überrascht aber als Fotograf mit Bildern, die unter anderem an die Deportationen der Nazi-Zeit erinnern und Obdachlosen einen Gesicht geben. In der harten Rockerschale steckt also eine sensible Künstlerseele!
Eine ungewöhnliche Annäherung an die Menschen in die Kutten, der Regisseur Marcel Wehn im Vorfeld viel Kritik eingebracht hat. So entsetzt sich André Schulz vom Bund Deutscher Kriminalbeamter in der B.Z., der Film sei ein Schlag ins Gesicht für jeden Polizisten." Gewaltverherrlichung wird dem Film vorgeworfen, obwohl der Film das Problem Rockergewalt ganz offen anspricht. "Waffe ist eine Schusswaffe, Messer war noch nie ne Waffe", sagt Schelhorn im Film. Ohne Messer geht es also auch für eher friedliebene Rocker nicht, lernen wir.
Irritierend für einige Kritiker: Von Gewalt ist in dem Film aber nichts zu sehen, sie wabert dennoch unterschwellig umher. Sie wird beiläufig erwähnt, aber nie offen gezeigt. Und schon gar nicht von Rocker-Kumpanen kritisiert - das verbietet ja der Ehrenkodex, der auf Gesetze selten Rücksicht nimmt. Wir ahnen, was da sonst noch für Geheimnisse unter der Fassade des geselligen Rocker-Attags schlummern.
"Ein Hells Angel unter Brüdern" läuft ab Donnerstag im B-ware ladenkino, Babylon Mitte und Zukunft Berlin 3.
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