Berlin - Knapp 500 Verkehrsunfälle, Hunderte Knochenbrüche, Warteschlangen in den Rettungsstellen, Chaos auf den Straßen, gestrichene Flüge, Tegel muste sogar kurzfristig gesperrt werden. Das ist die Bilanz von nur vier Stunden Nieselregen in Berlin und Brandenburg. Straßen und Gehwege hatten sich in Blitzeis-Pisten verwandelt.Ins Rutschen kam auch Chris Wollgast (24) aus Eberswalde: "Kurz vor meinem Betrieb in Ludwigsfelde bin ich auf dem Gehweg gestürzt", erzählt der Verpacker. "Ich hatte eine Wasserflasche in der Hand und schnitt mir an den Scherben den Arm auf." Mit dem Krankenwagen ging es in die Charité.Hier war der Andrang groß. "Wir hatten 25 Patienten, die auf dem Eis gestürzt waren, 13 hatten Knochenbrüche, vier Patienten mussten wir sofort operieren", sagt der leitende Oberarzt der Rettungsstelle auf dem Campus Virchow, Tobias Lindner. "Die Rettungswagen fuhren immer wieder vor." Insgesamt 182 Glatteis-Opfer musste die Feuerwehr zwischen 8 und 12 Uhr versorgen. Ab 8.45 Uhr galt deshalb der Ausnahmezustand. 20 zusätzliche Rettungswagen waren im Einsatz, zehn freiwillige Feuerwehren halfen aus.Glück im Unglück hatte Brigitte Hoffmann (71) aus Mitte: "Ich wollte meinen Mann im Krankenhaus besuchen", erzählt die Rentnerin. "Auf dem Damm bin ich ausgerutscht. Jetzt habe ich eine dicke Beule am Kopf."Vor allem Beulen im Blech gab es im Straßenverkehr. Die Polizei registrierte zwischen 8 und 11 Uhr 221 Unfälle in Berlin und 250 in Brandenburg. Auch die Flughäfen waren lahm gelegt. In Tegel mussten 15 Flüge gestrichen werden, sechs Maschinen wurden nach Schönefeld umgeleitet. Keine zusätzlichen Probleme gab es bei der S-Bahn und der Bahn, hier kam es nur zu Verspätungen.------------------------------Feuerwehr im DauereinsatzDie Berliner Feuerwehr war gestern Vormittag im Dauereinsatz. Kurzzeitig hatte die Einsatzleitung wegen des Eisregens sogar den Ausnahmezustand über die Hauptstadt verhängt.9.08 Uhr: Türkenstraße (Wedding), Glätteunfall.9.09 Uhr: Landshuterstraße (Lichtenrade), Person gestürzt.9.10 Uhr: Reichenhallerstraße (Schmargendorf), Person gestürzt.9.11 Uhr: Wallstraße (Mitte), Person gestürzt.9.49 Uhr: Nehringstraße (Charlottenburg), Schwerer Glätteunfall mit Pkw.9.50 Uhr: Heckerdamm (Charlottenburg), Autounfall mit zwei Verletzten.9.50 Uhr: Passauer Straße (Schöneberg), Unfall mit Fußgänger.9.51 Uhr: Waldstraße (Bohnsdorf), schwer verletzte Person nach Zusammenstoß von Pkw mit Fahrrad.10.02 Uhr: Mehringdamm (Kreuzberg), Person nach Glätteunfall verletzt.10.16 Uhr: Breitscheidplatz (Charlottenburg), Frau vor KDW gestürzt.10.16 Uhr: Grevesmühlener Straße (Lichtenberg), Person gestürzt.10.32 Uhr: Badstraße (Gesundbrunnen), Person gestürzt.10.54 Uhr: Grazer Damm (Schöneberg), Wasserrohrbruch.11.05 Uhr: Blücherstraße (Kreuzberg), mehrere festgefahrene Fahrzeuge.11.38 Uhr: Berliner Straße (Pankow), Eis- und Schneebeseitigung.11.40 Uhr: Nostitzstraße (Kreuzberg), schwere Verletzung nach Sturz. AMY, PDE------------------------------Schmerzensgeld bei Eis-BrüchenMitte - Knochenbruch nach Blitzeis-Ausrutscher? Laut Rechtsanwalt Christian Christiani aus Mitte ist da Schmerzensgeld drin. "Ist der Hauseigentümer seiner Räumungspflicht nicht nachgekommen, können Ansprüche geltend gemacht werden." Heißt: Liegt ein Haushaltsführungsschaden (der Verletzte kann nicht mehr kochen, waschen etc.) oder ein Verdienstausfallschaden (bei Selbstständigen) vor, wird's teuer. "Dann muss die Haftpflicht des Verursachers, also des Hauseigentümers, zahlen." Schmerzensgeld-Summen im vierstelligen Bereich sind drin.------------------------------Assistenzarzt Jörg Arnholt (28) versorgt in der Charité Eicke W. (59) aus Graz: "Ich bin gestern erst angereist. Jetzt ist mein Arm geprellt. Die Straßenzustände in Berlin sind nicht gerade touristenfreundlich. In Österreich sind alle Wege geräumt oder gestreut."Nada Ramadan-Ismail (30) aus Kreuzberg: "Ich bin kurz vor 9 Uhr auf die Straße gegangen. Ich wollte zur AOK, aber der Bürgersteig war total glatt. Da bin ich ausgerutscht und gestürzt. Jetzt ist mein Arm verstaucht."Brigitte Hoffmann (71) aus Mitte ist extra auf der Straße gelaufen und trotzdem gestürzt: "Ich bin auf den Hintern und den Kopf gefallen, habe jetzt eine dicke Beule."Chris Wollgast (24) aus Eberswalde stürzte mit einer Wasserflasche in der Hand: "Ich habe versucht, den Sturz mit der rechten Hand abzufedern, und landete in den Scherben. Dabei habe ich mir den Arm über der Hand aufgeschnitten."BU: Großer Andrang in den Rettungsstellen: Im Virchow Klinikum liegen Blitz-eis-Opfer auf fahrbaren Tragen in den Fluren und warten auf ihre Behandlung.
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