Feuer am S-Bahnhof Treptower Park

Linksradikale bekennen sich zu Brandanschlag

Mehrere S-Bahnlinien unterbrochen. Auch Fälle in anderen Bundesländern.

BK
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Die Ermittler untersuchen die Brandstelle am S-Bahnhof Treptower Park.

Die Ermittler untersuchen die Brandstelle am S-Bahnhof Treptower Park.

© dpa

Der für politisch motivierte Taten zuständige Staatsschutz der Kriminalpolizei ermittelt. Das Schreiben sei zudem bei der Berliner Polizei bekannt und werde jetzt geprüft, sagte ein Sprecher der Polizei am Montag. Aus Sicherheitskreisen hieß es, das mutmaßliche Bekennerschreiben passe ins „Raster“. Allerdings sei es noch zu früh zu sagen, ob dies tatsächlich authentisch sei. In der Vergangenheit waren auf der Plattform Indymedia im Zusammenhang mit Bekennerschreiben zu Straftaten auch Fälschungen aufgetaucht. 

Ein Polizeiwagen vor dem S-Bahnhof Treptower Park. Hier brannte es am Montagmorgen in einem Kabelschacht .

Ein Polizeiwagen vor dem S-Bahnhof Treptower Park. Hier brannte es am Montagmorgen in einem Kabelschacht .

© dpa

Brand brach am Montagmorgen aus

Das Feuer in einem Kabelschacht hatte am Montagmorgen zu Unterbrechungen auf mehreren S-Bahnlinien geführt. Betroffen sind auch am Vormittag noch die S8, S9, S41, S42 und S85, wie Bundespolizei und S-Bahn Berlin via Twitter mitteilten. Der Brand ist bereits gelöscht.

Ein Mitarbeiter der Bahn geht am 19.06.2017 in Berlin an geöffneten Kabelschächten am S-Bahnhof Treptower Park vorbei.

Ein Mitarbeiter der Bahn geht am 19.06.2017 in Berlin an geöffneten Kabelschächten am S-Bahnhof Treptower Park vorbei.

© dpa

"Eine Aufsicht hatte am frühen Morgen starken Rauch neben den Gleisen bemerkt und die Rettungskräfte alarmiert", sagte ein Sprecher der Berliner Polizei. Der Rauch kam aus einem abgedeckten Kabelschacht, der zwischen den Bahnhöfen Treptower Park und Sonnenallee liegt. Die Kabelstränge verlaufen dort parallel zu den Gleisen. 

Brandermittler untersuchen Proben

Der betroffene Bereich wurde abgesperrt. Ermittler des LKA untersuchen, ob es sich um einen Brandanschlag oder einen technischen Defekt handelt.

Der betroffene Bereich wurde abgesperrt. Ermittler des LKA untersuchen, ob es sich um einen Brandanschlag oder einen technischen Defekt handelt.

© dpa

Die Brandermittler haben unter anderem Proben genommen, die im Labor auf chemische Rückstände von Brandbeschleunigern untersucht werden.

Ersatzbusse für S8 und S9

Wie lange der Zugverkehr beeinträchtigt bleibt, ist noch nicht abzusehen. „Da wollen wir erstmal keine Prognose wagen“, erklärte ein Bahnsprecher.

Auf den Linien S8 und S9 verkehren Ersatzbusse zwischen Schöneweide und Treptower Park. Die S8 verkehrt laut der S-Bahn Berlin zwischen Birkenwerder und Ostkreuz. Die S9 pendelt zwischen Flughafen Schönefeld und Hermannstraße.

Ringbahn S41, S42 

Die Ringbahn fährt mittlerweile wieder durchgehend, allerdings nur im 10-Minuten-Takt. Als Verbindung zur Stadtbahn kann zwischen Hermannstraße und Jannowitzbrücke auch die U8 genutzt werden, zwischen Neukölln und Ostkreuz auch die U7 sowie die Busse 104 und 347. Die S85 fährt nach wie vor nicht.

Eine Hinweistafel informiert am 19.06.2017 in Berlin die Reisenden und Pendler im S-Bahnhof Treptower Park über den Kabelbrand. 

Eine Hinweistafel informiert am 19.06.2017 in Berlin die Reisenden und Pendler im S-Bahnhof Treptower Park über den Kabelbrand. 

© dpa

Brandanschläge auf Bahnanlagen in mehreren Bundesländern

In der Nacht zum Montag gab es laut Polizei weitere Anschläge in Hamburg, Köln, Dortmund, Sachsen und Niedersachsen betroffen. Die genaue Zahl war zunächst noch unbekannt. 

Im Großraum Leipzig wurden nach Angaben der Bundespolizei seit 2.40 Uhr Feuer in Kabelschächten und an elektronischen Stellwerken der Bahn verübt. „In einigen Fällen konnten Brandvorrichtungen unschädlich gemacht werden, bevor sie Schaden anrichteten“, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Zudem sei mit einem Hubschrauber aus der Luft nach weiteren Brandorten gesucht worden. Hinweise auf den oder die Täter gebe es allerdings bislang nicht. Das Operative Abwehrzentrum (OAZ) der sächsischen Polizei hat die Ermittlungen übernommen.

Fernverkehrszüge im Großraum Leipzig umgeleitet

Nach Angaben der Bahn müssen Reisende und Pendler auf den Strecken Leipzig-Dresden, Leipzig-Coswig, Leipzig-Chemnitz, Leipzig-Halle und Leipzig-Erfurt mehr Zeit einplanen. Fernverkehrszüge würden umgeleitet. Auf den Regional- und S-Bahn-Strecken müsse mit deutlichen Verspätungen gerechnet werden. Wegen der defekten Signalanlagen seien Streckenteile nicht befahrbar. Die Bahn bemüht sich nach eigenen Angaben um Ersatzverkehr durch Busse.

Die Bundespolizei schließt einen politisch motivierten Hintergrund nicht aus.
Anfang Juli treffen sich die Staats- und Regierungschefs aus den führenden Industrie- und Schwellenländern sowie Vertreter der EU in Hamburg. Generell sei ein Zusammenhang zwischen den Angriffen und linken Protesten gegen den G20-Gipfel möglich, hieß es aus den Sicherheitskreisen. „Angriffe auf die Infrastruktur passen ins Muster linksextremistischer Mobilisierung vor dem G20-Gipfel.“ Linksextremisten hatten wiederholt Aktionen und Anschläge gegen das Treffen angekündigt.

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte in Berlin, es sei noch zu früh für Aussagen, ob es einen Zusammenhang zwischen den Angriffen und dem bevorstehenden G20-Gipfel gebe. Die Kabelbrände gingen auf unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen zurück. Die Ermittlungen dazu liefen unter Hochdruck. „Wir beobachten das natürlich sehr aufmerksam, aber um solche Zusammenhänge belastbar (...) zu bestätigen, ist es zu früh.“

In den vergangenen Jahren hatten Linksextremisten immer wieder Brandanschläge auf Einrichtungen der Bahn verübt.  (kmi./kop./dpa)

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