Festnahme rettet Gauner-Leben

Polizistin fischt Taschenräuber aus Landwehrkanal

Der Mann hatte zuvor einer Frau die Handtasche weggerissen.

Lutz Schnedelbach
Lesezeit 3 Min
Landwehrkanal in Kreuzberg: Rettungskräfte transportieren den Mann ab.

Landwehrkanal in Kreuzberg: Rettungskräfte transportieren den Mann ab.

© Morris Pudwell

Sie hat einem Mann das Leben gerettet. Die Rede ist von Polizeihauptkommissarin Jana G. (40) vom Abschnitt 52 in der Friesenstraße. Am frühen Sonntagmorgen war sie zusammen mit ihrem Kollegen in Kreuzberg auf Streife. Gegen 1.30 Uhr kam über Funk der Alarmruf von der Leitstelle. Eine Frau (45) hatte einen Handtaschendiebstahl angezeigt. Der Täter sei in der Obentrautstraße mitsamt ihrer Tasche geflüchtet, hörten die Streifenpolizisten. Die Polizisten rasten los. Kurz darauf erreichten sie das Opfer. Die Frau sagte, dass ihr ein junger Mann von hinten ihre Tasche rauben wollte. Anfangs konnte sie die Tasche noch festhalten. Dann schlug ihr der Räuber aber ins Gesicht. Daraufhin ließ sie die Tasche los und der Mann rannte davon. Das bestätigte auch ein Passant (23), der die Tat beobachtet hatte und den Täter ausreichend beschreiben konnte.

Polizistin springt in voller Montur in Landwehrkanal

Der Räuber flüchtete zum Landwehrkanal am Tempelhofer Ufer. Hauptkommissarin G. und ihr Kollege verfolgten ihn. Bis zum Kanal. Im Wasser sahen die Polizisten den Mann. Er rief irgendetwas unverständliches und fuchtelte mit seinen ausgestreckten Armen. Jana G. zögerte nicht lange. Sie übergab ihre Pistole P6 ihrem Kollegen. Dann band sie sich ein Seil um die Hüfte und sprang in voller Montur von einer Ufermauer aus mehr als 4 Metern Höhe in das mit knapp 20 Grad frisch temperierte Wasser. Ihr Kollege sicherte sie am anderen Ende des Seils. Die Polizistin erreichte den Mann, der bereits dem Ertrinken nahe war. Die Beamten brachten den Räuber ans Ufer. Mit einer Leiter hievten inzwischen eingetroffene Feuerwehrleute den Mann ans Ufer und zogen ihn aus dem Wasser.

Kaum waren Rettungssanitäter bei ihm, kollabierte er und wurde ohnmächtig. Einem Notarzt gelang es ihn zu reanimieren. Nach kurzer Zeit war er wieder bei Bewusstsein. Noch am Abend fand die Polizei heraus, dass der Mann 22 Jahre alt ist und nicht schwimmen kann, dass er Besnir H. heißt, aus Albanien stammt und sich in Berlin ohne festen Wohnsitz aufhält. Der stark unterkühlte Mann wurde in ein Krankenhaus behandelt.

Am Mittag brachten ihn Polizisten in das Gewahrsam am Tempelhofer Damm zur Befragung. Haftbefehl soll beantragt werden. Auch Hauptkommissarin Jana G. benötigte einige Minuten, um sich von der kräftezehrenden Lebensrettung zu erholen. Sanitäter kümmerten sich auch um sie und legten ihr Decken über. Sie wolle diesen Einsatz nicht an die große Glocke hängen, soll die völlig durchnässte Frau gesagt haben. Es sei für sie und ihren Kollegen selbstverständlich, Menschenleben zu retten. „Wir haben größten Respekt vor der Kollegin und sind stolz, derart tolle Menschen in den Reihen der Hauptstadtpolizei zu haben“, sagte am Sonntag der Sprecher des Berliner Landesbezirks der Berliner Gewerkschaft der Polizei, Benjamin Jendro. Sie habe in einer nicht ganz ungefährlichen Situation binnen Bruchteilen eine selbstlose Entscheidung getroffen und dem Mann so vermutlich das Leben gerettet. „Ihr Einsatz ist der beste Beweis dafür, dass für unsere Polizistinnen und Polizisten jeder Mensch in erster Linie Mensch und damit zu schützen ist.“  

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