Kritiker bemängeln hauptsächlich, dass Ferienwohnungen regulären Wohnraum verteuern, weil diese dem regulären Wohnungsmarkt entzogen werden.
Der Berliner Senat geht von 12 000 solcher Wohnungen in der Hauptstadt aus und die Ordnungsämter tun sich schwer, das Verbot zu überwachen, Mietwohnungen in Ferienwohnungen umzuwandeln. Mathias Feige, Chef des Tourismus-Beratungsunternehmens dwif, spricht von einem hochdynamischen Markt mit extremen Entwicklungen. Zuerst haben Vermittlungsportale im Internet Ferienwohnungen für jedermann auffindbar und vergleichbar gemacht. Seit einer Weile nun werfen Privatleute auch ihre eigenen Wohnungen oder einzelne Zimmer zeitweise auf den Markt - über Websites wie Airbnb, 9flats, Gloveler oder Wimdu. Die Digitalisierung und der Trend zum Teilen über das Netz haben das Angebot nochmals erweitert.
Bloß der amtlichen Statistik sei das entgangen, kritisiert Feige. Sie zählt nur gewerbliche Anbieter und die beginnen bei zehn Betten. Was darunter liegt, fällt durch den Rost der Statistiker. Nach ihren Zahlen gab es 2014 bundesweit 321 000 Betten in Ferienhäusern und -wohnungen, einige tausend weniger als zehn Jahre zuvor.
Tatsächlich aber, so haben es Feiges Kollegen für eine Studie gezählt und hochgerechnet, dürfte es inzwischen aber etwa eine Million Betten geben - die meisten an den Küsten und in den Bergen, zunehmend aber auch in Großstädten. Die Studienautoren schätzen, dass die Gäste den Kommunen einen Umsatz von acht Milliarden Euro im Jahr bringen.
Präsentiert werden die Zahlen von FeWo-direkt, einer der ältesten Vermittlungsplattformen des börsennotierten US-Unternehmens Homeaway, gemeinsam mit dem Deutschen Tourismusverband, der Vertretung der örtlichen Tourismuswerber. Sie warnt vor Einschränkungen für die „zweitbeliebteste Übernachtungsform der Deutschen im Urlaub“.
Anlass sind Gerichtsurteile, nach denen Ferienwohnungen in Wohngebieten gegen die jahrzehntealte Baunutzungsverordnung verstoßen. Entlang der Küsten von Nord- und Ostsee überprüften nun Behörden Ferienwohnungen, manchmal untersagten sie fristlos die Vermietung, kritisiert der Tourismusverband und warnt vor schweren Schäden für das Ansehen des Deutschlandtourismus.
Alarmiert sind auch Investoren und Privatleute, die ihr Erspartes in lukrative Ferienhäuser gesteckt haben. „Viele Vermieter befanden sich im guten Glauben, rechtskonform zu handeln.“ Die Tourismuswerber fordern deshalb, die Baunutzungsordnung zu ändern.
Der Kühlungsborner Bürgermeister Rainer Karl verweist auf das zehn Kilometer entfernte Rerik und sagt: „Man muss es differenziert angehen.“ In Rerik hänge der Tourismus inzwischen zu 70 Prozent an Ferienwohnungen. Kühlungsborn hingegen kann demnach ein paar Besucher weniger zu Spitzenzeiten verschmerzen. „Wir haben einen Strand, der ist vier Kilometer lang und 200 Meter breit. Der Platz ist begrenzt.“
Ob es eine difefrenzierte Lösugn für Berlin gibt, ist indes noch unklar, denn die Preise für Wohnraum werden auch so weiter steigen. PA/dpa
Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com