ZDF-Interview

Feingeist Schily stört sich an der DDR

Der Ex-Bundesinnenminister zieht in einer ZDF-Doku über den Osten her.

NORBERT KOCH-KLAUCKE
Lesezeit 2 Min
1983 besuchte Otto Schily (damals bei den Grünen) die DDR. Mit Petra Kelly wurde er von Erich Honecker empfangen.

1983 besuchte Otto Schily (damals bei den Grünen) die DDR. Mit Petra Kelly wurde er von Erich Honecker empfangen.

© ullstein bild Lizenz

Schily stand für die zweiteilige ZDF-Doku „Die Insel“ vor der Kamera (läuft im Oktober), in der es um das Leben in Westberlin geht. Grund für den Auftritt: Schily kam aus Bochum (NRW) in die damaligen Frontstadt, studierte Jura. Als Anwalt verteidigte er in den 70er-Jahren die damaligen RAF-Mitglieder Gudrun Ensslin und Horst Mahler.

Kurz nachdem die Doku zeigt, wie 1963 Westberliner erstmals nach Mauerbau wieder ihre Verwandten im Ostteil besuchen durften, kommt Schily zu Wort. „Ostberlin war ausgesprochen hässlich“, sagt er. „Dann der Gestank von dem berühmten Ostbenzin, der auch unangenehm war. Die DDR roch schlecht ... Ich habe einmal zugespitzt gesagt, die DDR ist an Mangel an Ästhetik zugrunde gegangen. Ja, sie war einfach scheußlich, auch in ihrer Spießigkeit.“
Der Linke-Fraktionschef im Bundestag, Gregor Gysi, findet die Sätze wohl von so einer Arroganz durchdrungen, „dass er sie mit Ignoranz straft“, heißt es aus seinem Büro. Ähnlich sieht es auch der Ex-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD).

Was Schily da sagte, bringt sogar Menschen auf die Palme, die kritisch der DDR gegenüberstanden – wie die Berliner Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld (CDU). „Ich finde es daneben, die DDR so zu beschreiben“, sagte sie dem KURIER. „Ja, das Benzin stank, in der DDR sah es grau aus. Aber das lag an den wirtschaftlichen Bedingungen. Und die DDR ging nicht zugrunde, weil sie Feingeistern nicht gefiel. Das Volk wollte nicht mehr mitmachen.“
Harsche Kritik kommt auch von „Sonnenallee“-Regisseur Leander Haußmann: „Niemand hat das Recht, die DDR scheiße zu finden – außer mir.“

Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com

Lesen Sie mehr zum Thema