Muslimischer Fastenmonat

Die 13 wichtigsten Fragen zum Ramadan in Berlin

Ist der Ramadan eigentlich gesund? Wir haben die Antwort.

Kay Schöphörster
Lesezeit 4 Min
Muslime beten am ersten Tag des diesjährigen Fastenmonats Ramadan.

Muslime beten am ersten Tag des diesjährigen Fastenmonats Ramadan.

© AFP

Der Ramadan hat begonnen. In Berlin leben zahlreiche Muslime, die bis zum 15. Juni, dem Ende der Fastenzeit, ohne Essen und Trinken von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang leben. Wir klären Fragen, die sich zu einem der wichtigsten Ereignisse im Leben eines Muslimen stellen.

1. Was genau ist Ramadan?

Der Ramadan - übersetzt: der heiße Monat - ist der heilige Fastenmonat der Muslime. Der Beginn richtet sich nach dem Mondkalender. In diesem Jahr dauert der Ramadan vom 16. Mai bis zum 14. Juni. Das Fasten im Monat Ramadan stellt eine der fünf Säulen des Islam dar. Sie gehört zu den Hauptpflichten eines Muslim. Während des Ramadans darf zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang weder gegessen noch getrunken werden. Auch Rauchen und Sex sind tabu. Ebenso gelten ethisch-moralische Regeln, die zu beachten sind. Ein Muslim soll üble Nachrede, Verleumdung, Lügen und Beleidigungen aller Art während des Ramadans vermeiden.

2. Ab welchem Alter muss man fasten?

Das Alter ist nicht eindeutig festgelegt. Nach den islamischen Quellen sind Muslime ab der Pubertät zur Einhaltung der Gebote verpflichtet.

3. Wer muss nicht fasten?

Vom Fasten ausgenommen sind Kinder, Alte, Reisende, Kranke, Schwangere und Frauen während er Menstruation.

4. Ist der Ramadan eigentlich gesund?

Fasten an sich muss nicht schlecht sein. Viele Menschen verzichten zeitweise auf Nahrung und meinen, sich dadurch auch besser zu fühlen. Allerdings warnen Experten einhellig vor dem Verzicht auf Trinken. 

Außerdem ist zu reichhaltiges Tafeln am Abend (nach Sonnenuntergang) für manche eventuell problematisch - Verdauungsbeschwerden drohen.

5. Ist abends Fresskoma angesagt?

Siehe oben. Ernährungsphysiologisch wären mehrere kleinere Mahlzeiten besser. Allerdings wird in vielen muslimischen Familien traditionell ganz groß aufgefahren.  

6. Nehmen Muslime im Ramadan ab?

Oft ist das Gegenteil der Fall, beklagen Ärzte. Denn es wird beim abendlichen Fastenbrechen oft mehr gegessen als an Tagen außerhalb des Ramadan. Dazu kommt, dass oft zu fett gegessen wird. Vor Sonnenaufgang stopft man sich noch schnell ungesunde Snacks in sich hinein, damit man den Tag übersteht. 

7. Apropos: Wie viele Muslime leben in Berlin?

Das ist schwierig festzustellen. Denn für Muslime gibt es keine Registrierung,  wie zum Beispiel bei Christen durch das Finanzamt über die Kirchensteuer. Geschätzt leben 250.000 bis 300.000 Menschen in Berlin, die sich zum Islam bekennen.

8. Und wie viele Muslime machen Ramadan?

Von den rund 4,5 Millionen Muslimen in Deutschland hält sich laut Zentralrat der Muslime rund die Hälfte von ihnen an das Fastengebot.

9. Was ist mit muslimischen Busfahrern / U-Bahnfahrern oder Piloten?

Menschen mit einem anstrengenden Beruf oder einer sehr wichtigen Arbeit sind nach Ansicht vieler Islamgelehrter vom Fasten befreit. Wäre ja auch wirklich nicht schön, wenn ein Pilot im Landeanflug vor Hunger ohnmächtig würde.

10. Macht mein Lieblingsdöner während des Ramadans zu?

Für Dönerläden ändert sich während des Ramadans eigentlich nichts. Denn ihre Besitzer wollen ja ihre Leckereien verkaufen und Geld verdienen. Allerdings ist es natürlich für alle dort Beschäftigten eine besondere Herausforderung, auf Essen und Trinken zu verzichten.

11. Darf man im Notfall wenigstens trinken?

Eine Fatwa - eine verbindliche Rechtsauslegung des Koran - erlaubt das Trinken nicht. Es würde das Fasten für diesen Tag annullieren. Wer also vor Erschöpfung trinkt, muss den ausgefallenen Fastentag nachholen. 

12. Wie gehen Schulen damit um?

In diesem Jahr fällt der Ramadan in die wichtigste Zeit des Schuljahres. Klausuren und Prüfungen stehen an. Fakt ist, dass das Fasten die schulischen Leistungen gefährden kann. Laut der Handreichung für Lehrer "Islam und Schule" der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung darf das Fasten grundsätzlich nicht als Entschuldigung für Regel- und Pflichtverletzungen im Schulalltag dienen.

Minderjährige sollten nach Möglichkeit vom Fasten abgehalten werden, da sie sonst einen anstrengenden Unterrichtstag kaum gut überstehen könnten. Lehrer sollten die Schüler überzeugen, doch eine abgeschwächte Form des Fastens zu wählen, zum Beispiel nur bis zum Mittag oder nur am Wochenende. Auf ein grundsätzliches Verbot des Fastens seitens der Schule soll aber verzichtet werden.

Am Ende des Ramadan, zum sogenannten Zuckerfest, haben muslimische Schüler einen schulfreien Tag. In diesem Jahr ist das der 15. Juni.

13. Was ist mit Ramadan im Job?

Dass ein muslimischer Arbeitnehmer während der Fastenzeit nicht voll leistungsfähig ist, mag für den Arbeitgeber ärgerlich sein. Der Fastenpflicht der Gläubigen - und damit verbunden die grundgesetzlich garantierte Religionspflicht - steht die Arbeitspflicht gegenüber. Aber eine Rechtsprechung bezüglich des Ramadan existiert nicht. Daher muss jedes Unternehmen eine eigene Lösung finden.

Möglich wären ein unbezahlter Urlaub für die Fastenden, die Zuweisung leichterer Arbeiten, eine Änderung der Arbeitszeiten oder die Verschiebung bestimmter Arbeiten.

Das Fasten verbieten kann der Arbeitgeber aber nicht. So sehen es jedenfalls Rechtsexperten.

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