Flucht wurde erst morgens bemerkt
Das Fehlen des Häftlings wurde in der Justizvollzugsanstalt erst am Morgen bemerkt, er sei aber höchstwahrscheinlich schon am Mittwoch geflohen. „Wir wissen nicht, auf welchem Weg“, sagte der Senator. Es war die zehnte Flucht innerhalb von sechs Wochen.
Inzwischen sucht die Berliner Polizei nach dem Mann mit einer Öffentlichkeitsfahndung.
Gefangener sollte bis 2022 hinter Gittern bleiben
Die Justizverwaltung prüft jetzt, ob der 24-Jährige aus Libyen mit einem Lastwagen entkam. Am Mittwoch hatte der Laster samt Anhänger Waren in die Anstalt gebracht. Der Fahrer des Wagens sei vernommen worden, er sei nicht unter Verdacht. Der Gefangene war zu mehreren Gefängnisstrafen verurteilt worden. Ein vierjährige Haft wegen räuberischer Erpressung sollte bis September 2022 dauern.
Ob die erneute Flucht auf fehlende Bedienstete zurückgeht, blieb offen. Behrendt verwies aber auf die angespannte Situation. „Aufklärung steht im Vordergrund.“ Er werde dem Parlament Rede und Antwort stehen. „Alles andere wird sich dann zeigen.“
Ausbruch aus der JVA Plötzensee
Nach Weihnachten waren vier Strafgefangene aus dem geschlossenen Teil der Anstalt Plötzensee ausgebrochen sowie fünf Männer aus dem offenen Vollzug entwichen.
Die Strafgefangenen sind zurück, von der anderen Gruppe fehlt noch einer. Die Fluchten hatten den Senator in Bedrängnis gebracht, nun dürfte es erneut Kritik geben.
Für die oppositionelle FDP-Fraktion teilte Marcel Luthe mit, der Justizsenator sei mit seinem Ressort „hoffnungslos überfordert“. Er sei nicht in der Lage, das Personal im Justizvollzug richtig einzusetzen. Der FDP-Politiker forderte erneut einen Untersuchungsausschuss zum Personalwesen in Polizei und Justiz.
Experten untersuchen mögliche Versäumnisse
Die oppositionelle CDU hatte schon die neun Fluchten nach Weihnachten als „einmaligen Skandal in der Rechtsgeschichte“ gewertet und den Rücktritt des Senators gefordert, was dieser ablehnte. Mögliche Versäumnisse und Sicherheitslücken werden jetzt von externen Experten untersucht. Die Fraktion kündigte am Donnerstag eine Stellungnahme zu der jüngsten Flucht nach den Äußerungen von Behrendt an.
Tegel ist eine alte Haftanstalt mit derzeit rund 930 Plätzen. Das Gefängnis zählt zu den bundesweit größten. Die ersten Häftlinge zogen 1898 in das damalige Königliche Strafgefängnis. Der Komplex wurde im Laufe der Jahre immer wieder erweitert. Die derzeit leerstehende Teilanstalt III soll bis 2021 saniert werden. Laut Justiz werden die Kosten auf mindestens 20 Millionen Euro geschätzt.
(dpa/BK)
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