Mannheim - Um 13.34 Uhr öffnet sich die Gefängnistür. Als erste treten der Anwalt Dr. Reinhard Birkenstock und seine Ehefrau Johanna raus, dann folgt der Wetter-Moderator. Er ist frisch rasiert, trägt ein weißes Langarm-T-Shirt, hat abgenommen. Zum Abschied umarmt Jörg Kachelmann den Gefängnis-Wärter. Er lächelt, sagt kein Wort.Nur sein Anwalt sagt ein paar Sätze der Erleichterung: "Gott sei Dank gibt es noch Richter. Der Dank meines Mandanten gilt den Mitgefangenen und den Mitarbeitern der JVA für eine vorzügliche Behandlung." Dann bahnen sie sich den Weg zum schwarzen Range Rover. Kachelmann setzt sich nach hinten, Birkenstock steuert den Wagen weg vom Knast Richtung Rheinland.Die spektakuläre Wende im Fall Kachelmann wenige Stunden zuvor: Um 11.34 Uhr verschickte das Oberlandesgericht Karlsruhe (OLG) die Entscheidung: "Die Haftbeschwerde hat Erfolg. Die umgehende Freilassung ist angeordnet." Die Begründung des OLG ist eine Riesenschlappe für den Mannheimer Staatsanwalt Andreas Grossmann: "Im derzeitigen Stadium des Verfahrens besteht kein dringender Tatverdacht mehr." Der Ankläger hatte Jörg Kachelmann besonders schwere Vergewaltigung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung vorgeworfen. Angebliches Opfer: Ex-Freundin Sabine B. (37, Name geändert).Doch laut OLG steht Kachelmanns Aussage - der immer seine Unschuld beteuerte - gegen die von Sabine B. Und an ihrer Aussage hat das OLG erhebliche Zweifel: "Die Nebenklägerin, bei der Bestrafungs- und Falschbelastungsmotive nicht ausgeschlossen werden können", habe auch "unzutreffende Angaben" gemacht. Laut OLG könne derzeit nicht ausgeschlossen werden, dass sie sich die Verletzungen, die von der Vergewaltigung stammen sollen, selbst beigebracht hat. Kachelmanns Medienanwalt Dr. Ralf Höcker: "Ich hoffe, dass die Anzeigenerstatterin jetzt ein Geständnis ablegt."Das OLG scheint die ganze Anklage ins Wackeln zu bringen. Der Berliner Strafrechtler Ulrich Wehner wertet die Entscheidung als "sehr deutliches Signal" zu Gunsten von Jörg Kachelmann.Nach KURIER-Informationen fuhr der Wetterfrosch nach seiner Haftentlassung nach Köln. Reinhard Birkenstock: "Mit Herrn Kachelmann wird jetzt weiter konzentriert die Hauptverhandlung vorbereitet, der wir zuversichtlich entgegensehen." Ob der Prozess wie geplant am 6. September beginnen wird, steht allerdings "aufgrund der veränderten Sachlage" in Frage. So gestern das Gericht. Sicher sei aber, dass es zu einer Hauptverhandlung kommen wird.Bis dahin lässt die ARD Jörg Kachelmann noch nicht zurück auf den Bildschirm: Ein Sprecher: "Wir warten das schwebende Verfahren ab."------------------------------INFOBekommt der Wettermann bei Freispruch Schadenersatz?132 Tage saß Jörg Kachelmann im Mannheimer Gefängnis. Im Falle eines Freispruchs oder der Einstellung des Verfahrens kann er Anspruch auf Schadensersatz geltend machen: Ihm stünden dann pro Knasttag 25 Euro zu. Macht insgesamt 3300 Euro. Blechen müsste der Staat. "Dazu kann er seine Anwaltskosten und Verdienstausfall einfordern", sagt der Kölner Strafverteidiger Christian Lange. "Das entgangene Honorar für seine Auftritte als ARD-Wettermann, aber auch Honorare für Werbung könnten infrage kommen." Lange: "Herr Kachelmann muss nachweisen, dass ihm das Geld durch die Haft verloren ging. Voraussetzung ist allerdings, dass er im späteren Prozess freigesprochen wird."------------------------------
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