Ex-Union-Nachwuchskicker

Die traurige Geschichte von Robert Herrmann

Der heutige Aue-Spieler ging in den vergangenen Monaten durch die Hölle.

Andreas Baingo
Lesezeit 2 Min
Robert Herrmann, früherer Unioner Nachwuchsspieler.

Robert Herrmann, früherer Unioner Nachwuchsspieler.

© imago/Picture Point

Dass es trotz seines Talentes bei Hannover 96 und beim VfL Wolfsburg einst nicht für eine Karriere in der Bundesliga gereicht hat, bleibt angesichts dieser Tragik eigentlich eine Episode. Auch dass es in der vorigen Saison beim SV Sandhausen wegen eines wiederholten Mittelfußbruches mit nur einem Saisonspiel nicht nach Wunsch gelaufen ist, ist im Nachhinein eine Lappalie. Der junge Mann, der nächste Woche 26 wird, hat wirklich das Schlimmste erlebt: Sein Vater hat sich mit 52 Jahren das Leben genommen.

An Fußball war nicht mehr zu denken. Robert reiste nicht mit Sandhausen ins spanische Trainingslager, sondern mit seiner Mutter nach Bornholm. Dort, in der Abgeschiedenheit der dänischen Insel, nahmen beide an einem Seminar zur Verarbeitung von Trauerschmerz teil. Es hat geholfen und Robert kann über den Schicksalsschlag reden. Seinen „geliebten Vater“ habe er verloren, sagte er damals Liga-Zwei.de, „nur leider auf einer Ebene, die sehr schwierig zu verarbeiten ist“. Weil die Depressionen ihn aufgefressen hätten, habe er Suizid begangen. „Mit Stuhl und Seil“ habe er das getan.

Neuanfang in Aue

Von der Familie ist Robert aufgefangen worden und er selbst hat der Familie geholfen. Auch die Macher in Sandhausen öffnen ihr Herz und erteilen dem Jungen, der in Strausberg groß geworden ist und bis zum 19. Lebensjahr die Nachwuchsteams beim 1. FC Union durchlaufen hat, die Freigabe für einen Verein, von dem aus er öfter mal nach Hause rutschen kann zu seinen Liebsten.

So versucht er nun in Aue einen Neuanfang. Noch einen Tick leichter würde ihm der Wiederbeginn fallen, ginge sein sportlicher Wunsch in Erfüllung. „Es wäre zu schön“, sagt er, „könnte ich gleich mal in der Startelf stehen.“ Zumal gegen einen Verein, bei dem er einen großen Teil des Fußball-Abc gelernt hat.

Über Tränen müsste er sich so oder so nicht schämen. Jeder, der um Roberts Schicksal weiß, müsste selbst schlucken und würde sich ein klein wenig für ihn auch freuen.

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