Doch der Sturm der Entrüstung bleibt aus. Vor allem bei den Fans, weil diese zum größten Teil differenziert, sachlich und fair mit Zinglers Geschichte umgehen. „Dass es eben nicht nur schwarz und weiss, sondern mehr als genügend Grautöne gab, beweist doch die Diskussion hier“, sagt „pils“, User im Union-Fanforum. „Und alle alten Bundesbürger wären bestimmt alle Wiederstandskämpfer!“, trifft „shorty“ den Tenor vieler Anhänger.
Ab April 1983 hat Zingler drei Jahre in dem Regiment gedient, das nur „linientreue“ Soldaten aufnahm. Ihm deshalb Nähe zur Stasi zu attestieren, wäre oberflächlich. Zingler war 18, fast ein Kind, wollte in Berlin bleiben: „Ich habe dort meine Armeezeit verbracht, Wache vor einem Krankenhaus gestanden. Mit der Stasi an sich hatte ich nichts zu tun.“
Demonstrativ sprach der Aufsichtsrat Zingler daher gestern das Vertrauen aus. „Er hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, wo er seine Armeezeit verbracht hat und der Aufsichtsrat war informiert. Es gibt für uns nicht den geringsten Zweifel an seiner persönlichen Integrität oder seiner Eignung für das Amt des Präsidenten“, sagte Chef Prof. Dr. Antonio Hurtado.Vorwerfen muss man Zingler indes den öffentlichen Umgang mit seiner Vergangenheit, weil er weiß, wie sensibel im Umfeld der Eisernen auf Stasi-Themen reagiert wird. Doch wie heißt es im Johannes-Evangelium: „Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“
Ihre Meinung? Jetzt kommentieren!
Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com