Erstochene Künstlerin

Die Fakten zum Mord an Ewa Kowska

Die wichtigsten Fragen zur brutalen Tat und der Festnahme.

Alexander Schmalz
Lesezeit 4 Min
Die 41-jährige Emordete Ewa Kowska posierte auch für die Berliner SM-Szene.

Die 41-jährige Emordete Ewa Kowska posierte auch für die Berliner SM-Szene.

© Privat

Nur einen Tag nach der Veröffentlichung von Überwachungsbildern aus einem Kreuzberger Spätkauf stellte sich Franky S. (55) der belgischen Polizei in Flandern. Bisher bestreitet der Verdächtige den Mord an Künstlerin Ewa Kowska (41), die mit bürgerlichem Namen Ewa Kacprzykowska heißt. Er gibt aber zu, der Mann auf den Fahndungsbildern zu sein. Was bedeutet das? Der KURIER klärt die wichtigsten Fragen zu dem Fall.

Gibt es Zweifel am Tatverdacht des Belgiers Franky S. (55)?

Aus Sicht eines belgischen Haftrichters: Nein! Franky S. erhielt einen Haftbefehl, der sich auf mehrere Mordmerkmale stützt. Heißt: Die Mordermittler haben gute Beweismittel gesichert, die den Tatverdächtigen belasten. Zudem belasten Zeugenaussagen den Mann. Anwohner wollen gesehen haben, dass 15 Minuten nach der Tat ein Mann aus dem Fenster von Ewa Kowska kletterte und flüchtete, der dem Mann auf den Überwachungsbildern ähnlich sieht.

Ihr Mörder soll aus dem Fenster gekrabbelt und geflohen sein.

Ihr Mörder soll aus dem Fenster gekrabbelt und geflohen sein.

© Eric Richard

Kann es trotzdem sein, dass der Verdächtige nicht der Täter ist?

Auch wenn es eher an Kriminalfilme erinnert, wäre es möglich. Demnach wäre der Verdächtige Franky S. nach der Tat in die Wohnung gekommen und flüchete aus dem Fenster, weil die Wohnungtstür nicht mehr aufging. Das ist aber äußerst unwahrscheinlich. Er hätte ja danach sofort den Notruf wählen können. Tat er aber nicht.

Warum brannte die Wohnung, als der Mann aus dem Fenster flüchtete?

Die Polizei geht von einer Verdeckungstat aus. Das bedeutet, dass der Mörder seine Spuren mit einer Brandstiftung in der Wohnung beseitigen wollte. Doch Anwohner bemerkten das Feuer und alarmierten sofort die Feuerwehr. Die Einsatzkräfte verhinderten, dass die Wohnung komplett ausbrannte. Unklar ist bisher, ob die Kriminaltechniker auch brauchbare DNA-Spuren des Täters sichern konnten. Da es einen Kampf zwischen den beiden gegeben hatte, ist die Wahrscheinlichkeit hoch.

Was weiß man zum Tathergang?

Der Mord geschah am Freitag, den 18. März im Wohnungsatelier von Ewa Kowska an der Pücklerstraße in Kreuzberg. Vier Stunden bevor sie um 17.41 Uhr gefunden wurde, filmte die Überwachungskamera eines Kreuzberger Spätkaufs, wie die Künstlerin mit dem Belgier Franky S. zwei kleine Fläschchen Wodka und jeweils eine Flasche Rot- und Weißwein kauften.

Ewa Kowska mit ihrem Begleiter Franky S. (55) in einem Spätkauf. Es zeigt die Künstlerin wenige Stunden vor ihrem Tod.

Ewa Kowska mit ihrem Begleiter Franky S. (55) in einem Spätkauf. Es zeigt die Künstlerin wenige Stunden vor ihrem Tod.

© Polizei

Als die alarmierten Feuerwehrleute um 21.40 Uhr am Tatort eintrafen, lag die Frau leblos in der Wohnung. Trotz Reanimation im Innenhof starb sie noch vor Ort an ihren schweren Verletzungen. Die Obduktion ergab, dass mit stumpfer Gewalt auf sie eingeschlagen wurde. Todesursache waren aber mehrere Schnitt- und Stichwunden. Die 41-Jährige hatte sich mit aller Kraft gewehrt. Der Täter muss jedoch mit äußerster Brutalität vorgegangen sein.

Welches Motiv könnte der Täter gehabt haben?

Da Franky S. bisher die Tat bestreitet, ist auch noch nichts über das Motiv bekannt. Aufgrund der massiven Brutalität muss davon ausgegangen werden, dass der Täter die Frau unbedingt töten wollte. Dies wiederum erklärt die festgestellten Mordmerkmale.

Was wissen wir über den Verdächtigen Franky S.?

Der 55-Jährige ist Belgier aus der Region Flandern. Er soll in den kommenden Tagen nach Berlin ausgeliefert werden. Freunde und Bekannte von Ewa Kowska hatten ihn kurz kennengelernt. Sie berichteten der Polizei, dass er gutes Englisch spricht und sich als Belgier vorgestellt hatte. Wie sich die extrovertierte Künstlerin und Franky S. kennenlernten ist bisher unklar. Beide sollen sich für Kunst und Fotografie interessiert haben.

Was wissen wir über das Opfer Ewa Koska?

Die 41-Jährige hinterlässt einen Sohn, der nicht bei ihr wohnte. Sie stammt aus Polen und ist gelernte Maskenbildnerin. Anschließend studierte sie Kunst und gab Lesungen. Ewa K. war Kuratorin und stellte ihre Werke für die Konrad-Adenauer-Stiftung in ganz Europa aus. Auf ihren Bildern verarbeitete sie Feminismus, Erotik und Gewalt. Als Vorlagen dienten oft Portraits von ihr. In ihren letzten drei Jahren hatte sie häufig Geldsorgen. Nachbarn beschwerten sich fünf Jahre lang darüber, dass sie ständig Lärm gemacht und Partys gefeiert habe. Mit einer Unterschriftensammlung wollten viele Bewohner des Hauses sie aus ihrer Wohnung drängen. Ewa K. galt als Frau der Extreme, die viele Männerbekanntschaften pflegte. Ihr letzter Begleiter brachte ihr jetzt offenbar den Tod.

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