Was weiter fehlt, ist ein machbares Sicherheitskonzept. Das wird jetzt vom Senat gefordert. Der aber hat in der Stadt den ungebremsten Spaß-Tourismus überhaupt erst möglich gemacht und erntet nun, was er selbst gesät hat: Berlin feiert sich kaputt!
Schon 5,8 Millionen Gäste aus aller Welt kamen im ersten Halbjahr in die Hauptstadt, fast fünf Prozent mehr als 2014. Tourismus ist eine Super-Geldeinnahmequelle fürs arme Berlin. Seit Jahren rühren deshalb der Senat und seine Touri-Manager von „VisitBerlin“ kräftig die Werbetrommel. „Bunt, hip und angesagt“: So wird im Internet der Stadtteil Friedrichshain angepriesen. Kneipen, Retro-Lokale, schicke Bars und Clubs „garantieren einen abwechslungsreichen Tag und eine aufregende Nacht“.
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Die Folgen: Scharenweise kommen Spaßtouristen mit Billigfliegern, fallen in die Party-Kieze ein, um dort die Sau rauszulassen. Das sorgt für Probleme. Nicht nur die Anwohner der Warschauer klagen über viel Dreck und Lärm bis früh in den Morgen. Das Party-Pack zieht bis zum Ostkreuz runter.
Doch statt hart durchzugreifen, gingen Senat und Bezirk auf Kuschelkurs. Mit Pantomimen-Shows versuchte man vergeblich, die Lage in den Griff zu bekommen, den Lärm zu dämmen. Man wolle ja nicht die mit drastischen Maßnahmen Touristen verschrecken. Aber es schreckt auch nicht die Diebe und Dealer ab, die nun vom Görlitzer Park die Touri-Viertel erobern.
Jetzt, wo Rockstar Jennifer Weist die Gewalt öffentlich machte, ist das Entsetzen natürlich groß. „Das hat eine Dimension erreicht, die kann man nicht tolerieren“, sagt Sven Heinemann, SPD-Abgeordneter aus Friedrichshain-Kreuzberg.
Am Tatort RAW-Gelände beteuert einer der Eigentümer, Hans-Rudolf Kurth, wie wichtig ihm Sicherheit sei. Nachts patrouilliere Security, Büsche würden gerodet, die Beleuchtung auf dem Gelände verbessert. Der Bezirk überlegt, die spärliche Straßenbeleuchtung durch bessere Beleuchtung zu ersetzen.
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Dazu sollen vorm RAW-Areal die Parkzonen verschwinden, damit Drogenhändler ihren Stoff nicht mehr in Radkappen oder Auspuffrohren verstecken können. Dass die Gewalt auf die Party-Kieze irgendwann eskalieren würde, war voraussehbar, erklärt das Bezirksamt. „Das RAW-Gelände war anfangs im Besitz von Spekulanten, die nichts für die Sicherheit taten“, weiß Kulturstadträtin Jana Borkamp (Grüne). Vorort-Termine mit Clubbesitzern, Polizei, Anwohnern, Geschäftsleuten – vieles hat der Bezirk in die Wege geleitet. Doch es reicht nicht. Ein Sicherheitskonzept muss her – mit Unterstützung des Senats.
Bisher stieß aber das Bezirksamt auf taube Ohren. „Wir haben mobile Polizeiwachen wie am Alex gefordert – abgelehnt. Die Bitte, den Görli zum Problemort zu erklären, wurde nicht erwidert“, zählt Borkamp auf. Aus der Verwaltung von Innensenator Frank Henkel (CDU) höre man nur, „man hätte die Sache in Beobachtung“, heißt es aus dem Büro von Bürgermeisterin Monika Herrmann, die im Urlaub ist.
Cumali Karabulut kann über die Vorschläge der Politik ohnehin nur lächeln. „Das alles hier ist völlig außer Kontrolle geraten“, sagt der 28-Jährige, der am S-Bahnhof Warschauer Straße einen Kiosk betreibt. „Jede Nacht werden hier Touris beraubt und bestohlen. Und die Räuber und Dealer und Schläger werden immer brutaler.“ Erst gestern bekamen zwei Taschenräuber Haftbefehl.
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