Erschossener Hund Danti

Die Chronologie eines blutigen Parkausflugs

Ein Beamter fühlt sich im Humboldthain von einem nicht angeleinten Hund bedroht und erschießt ihn mit seiner Dienstwaffe. Jetzt wird ermittelt, ob das gerechtfertigt war. Dantis Besitzer: "Er war nicht aggressiv!"

E. Richard und P. Debionne
Lesezeit 3 Min
Merlin (45) mit seinem Hund Cookie (2). Nach der furchtbaren Tragödie im Humboldthain hat er Kerzen und Bilder im Gedenken an Danti aufgestellt.

Merlin (45) mit seinem Hund Cookie (2). Nach der furchtbaren Tragödie im Humboldthain hat er Kerzen und Bilder im Gedenken an Danti aufgestellt.

© Eric Richard Lizenz

Es ist Montagmorgen, acht Uhr. Der 25-jährige Marc trifft sich mit seinem guten Freund und Hundesitter Merlin. Weil Marc derzeit eine Ausbildung macht, ist er den ganzen Tag unterwegs. Und damit sein fünfjähriger Hund Danti nicht alleine in der Wohnung sitzen muss, übergibt er das Tier seinem Kumpel.

Der hat tagsüber Zeit, ist selbst Hundebesitzer und verbringt die heißen Tage in schattigen Parks. „Zuerst sind wir spazieren gegangen, ich, Danti und mein Cockerspaniel Cookie“, so der gelernte Koch, der vor 25 Jahren aus den USA nach Deutschland kam. Und weiter: „Ich hatte einige Erledigungen auf dem Zettel und bin dann gegen 11.30 Uhr in einen Park am Rosenthaler Platz gegangen.“

Entscheidung mit furchtbaren Folgen

Hier gibt es einen Wasserspielplatz – die ideale Abkühlung für Mensch und Tier. Fröhlich toben Danti und Cookie umher, lassen sich von einer kleinen Wasserfontäne nass spritzen und genießen ihr Hundedasein. Gegen 12 Uhr beschließt Merlin, mit seinen Hunden in Richtung Heimat zu fahren, um der gnadenlosen Mittagssonne zu entkommen.

„Und weil ich direkt am Humboldthain wohne, habe ich mich entschieden, die Hunde noch kurz in den Teich dort springen zu lassen“, so der Mann. Eine Entscheidung mit furchtbaren Folgen. Denn als Danti und Cookie durch den Humboldthain in Richtung Wasser rennen, tauchen zwei Polizisten auf. „Die haben gebrüllt, ich solle die Hunde anleinen. Obwohl da 95 Prozent aller Hunde frei rumgelaufen sind“, sagt der 45-Jährige.

Zuerst schnappt sich Merlin seinen Cookie, nimmt ihn an die Leine. „Gleichzeitig habe ich gesehen, wie Danti auf die Polizisten zugerannt ist. Aber aggressiv war er nicht, das konnte man auch klar an seiner Körpersprache erkennen!“ Nach KURIER-Informationen war der fünfjährige Rhodesian Ridgeback tatsächlich ein friedlicher und eher behäbiger Hund, auch die Rasse gilt offiziell als „Fremden gegenüber zurückhaltend, aber ohne Anzeichen von Aggressivität oder Scheu.“

Dennoch bekommt der Polizist Panik, zieht seine Waffe und drückt ab. „Ich dachte, das sei nur ein Warnschuss gewesen“, sagt Merlin. „Aber plötzlich ist Danti getaumelt und kurz darauf zusammengebrochen. Und dann war er tot ...“ Kurz darauf wimmelt es im Humboldthain von Polizisten, der Tatort wird abgesperrt, die Hundeleiche schließlich von der Kriminalpolizei beschlagnahmt und abtransportiert.

Polizei: Sechs tote Hunde in zwei Jahren

Offiziell wird nun gegen den Hundehalter wegen Verstoßes gegen die Leinenpflicht, gegen den Polizisten wegen Sachbeschädigung ermittelt. „In diesem Zusammenhang wird natürlich geprüft, ob die Schussabgabe gerechtfertigt war“, so ein Polizeisprecher. Ob der schießende Beamte sich oder andere Menschen so stark gefährdet sah, dass er zur Waffe griff, wollte der Sprecher mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht kommentieren.

In den letzten zwei Jahren kam es in Berlin laut einer Anfrage an die Senatsinnenverwaltung „zu sechs beabsichtigten Schüssen aus polizeilichen Dienstwaffen, bei denen Hunde getötet wurden“. Bis auf einen Fall wurden aber alle erschossenen Tiere als aggressiv eingestuft.

Doch das soll im aktuellen Fall zumindest laut Dantis Herrchen anders gewesen sein. „Ich sag’s noch mal: Danti war nicht aggressiv“, so Hundesitter Merlin. Und weiter: „Das schwöre ich bei meinem Leben.“

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