Darmstadt "Wir verstoßen unsere Mutter nicht. Wir zeigen ihr, dass wir sie beschützen, so wie sie uns hätte beschützen müssen", sagten Maria (27) und Tina (18), die von Detlef S. jahrelang vergewaltigt worden waren. Gestern sollte Mutter Erna S. (Opfer-Namen geändert) im Prozess gegen den "Fritzl aus dem Westerwald" aussagen.Doch ihr Auftritt vor Gericht war nur kurz. Die 52-Jährige zitterte, schaute ängstlich zu ihrem Mann, der wieder im weinroten Sakko auf der Anklagebank saß. Auch Erna hatte er über Jahre misshandelt, sie laut Aussage der Kinder bis zur Bewusstlosigkeit geprügelt. Würde sie die Kraft finden, dem Tyrannen der Familie jetzt die Stirn zu bieten?Als der Richter sie fragte, ob sie aussagen wolle, antwortete Erna S.: "Nein." Danach verließ sie den Saal wieder. Für Tochter Tina und Stieftochter Maria, mit der Detlef S. acht Kinder zeugte, sicher eine herbe Enttäuschung. "Sie hat Angst vor ihm. Wenn er im Raum ist, wird sie nicht aussagen", meinte einer der Stiefsöhne.Nach Erna S. wurden Mitarbeiter des zuständigen Jugendamtes in den Zeugenstand gerufen. Laut einer ersten Untersuchung hatten weder die Mutter der Opfer noch die Behörden in "strafrechtlich relevanter" Form versagt. Eine Anzeige von Privatleuten gegen Jugendamtsmitarbeiter ändere an dieser Einschätzung nichts, so die Staatsanwaltschaft.Die erste Zeugin hatte die Familie 1998 Zuhause besucht. Sie konnte sich aber nicht mehr an den Fall erinnern. Auch nicht, als ihr der Richter ihre eigenen Aktennotizen vorlas. Laut denen sei die Tür nur einen Spalt geöffnet worden. Dahinter hatte sie eine Menge Kinder erkannt.Eine andere Jugendamtsmitarbeiterin erzählte, dass sich Stieftochter Maria 2008 hilfesuchend an das Amt gewandt hatte. Der Angeklagte sei darüber wohl wenig erfreut gewesen. "Er wollte keine fremden Leute im Haus haben."Auch kam heraus, dass es schon 2002 Ermittlungen gegen den 48-Jährigen Detlef S. gab. Die wurden aber eingestellt, weil die Kinder damals nicht aussagten.------------------------------
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