Am Tag danach ist Beerens seine ungewollte Rolle als fliegender Holländer noch immer peinlich. Er hat ein schlechtes Gewissen gegenüber seinen Kollegen. In der 66. Minute flog der turboschnelle Dribbler wegen einer total überflüssigen Grätsche gegen Augsburgs Feulner mit Gelb-Rot vom Platz. In der gegnerischen Hälfte, an der Seitenauslinie! Geht eigentlich gar nicht. Denn mit diesem Platzverweis brachte der Holländer den Sieg akut in Gefahr.
Beerens beschimpfte sich selbst: „Ich bin 27 Jahre alt. Da darf mir so etwas nicht passieren. Da gibt es keine Diskussion. Ich war da einfach heiß gelaufen. Das war dumm von mir. Ich bin in meiner Karriere noch nie vom Platz geflogen.“
Schon Sekunden nach der kopflosen Aktion wurde ihm in Augsburg bewusst, was er da angerichtet hat. Er kauerte in der Kabine, zitterte eine knappe halbe Stunde vor dem Fernseher. „Das war die Hölle für mich. Ich wusste doch, wenn das Spiel noch schiefgeht, habe ich die Schuld“, gibt er ehrlich zu. Dann huscht doch ein Lächeln über seine Wangen: „Die Jungs haben es am Ende geschafft. Ich kann nur Sorry und Danke zu allen sagen.“
Dabei blieb es nicht. Trainer Pal Dardai sprach in aller Ruhe mit Beerens. „Roy hat da einen Fehler gemacht. Er war übermotiviert. Aber in so einem harten, aggressiven Spiel kommt so etwas immer wieder vor. Eine Strafe gibt es dafür von mir nicht“, so der Coach.
Beerens war von so viel Gnade überrascht und gerührt. Denn er fühlt sich noch immer ganz tief in der Schuld. „Ich muss mir da etwas einfallen lassen. Ich habe meine Kollegen alleine auf dem Platz gelassen. Ich werde alle zum Essen einladen“, sagt er.
Beerens gibt eine kräftige Runde aus. Mehr kann er sowieso nicht tun. Doch diese Reaktion zeigt, dass bei Hertha wieder ein guter Teamspirit herrscht. Mittelfeldrenner Per Skjelbred: „Wir waren alle heiß in dem Spiel. Roy war ein bisschen zu heiß. Ändern kann man es nicht mehr.“
Also: Alles in positive Energie umwandeln. So ein Mannschaftsabend aus besonderem, gelb-rote Anlass kann die Truppe noch mehr zusammenschweißen.
Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com