Es ist ein Fall, der erschüttert und sprachlos macht: der Tod eines 14 Wochen alten Säuglings, der nach grausamen Misshandlungen verstarb. Das Landgericht Köln hat jetzt die Mutter des Babys wegen Beihilfe zur Körperverletzung mit Todesfolge und Beihilfe zur Misshandlung von Schutzbefohlenen – jeweils durch Unterlassen – zu drei Jahren Haft verurteilt.
Schütteltrauma führte zum Tod
Die Tragödie ereignete sich im Mai 2022 in Gummersbach. Das Baby wurde so heftig geschüttelt, dass es zu einem Atemstillstand und schwersten Hirnschäden kam. „Der Kopf des Säuglings wurde mehrfach gegen Brust und Rücken geschleudert“, schilderte die Vorsitzende Richterin bei der Urteilsverkündung. Wenige Tage später starb der Junge auf der Intensivstation.
Doch die Schrecken enden hier nicht: Bei der Obduktion entdeckten die Gerichtsmediziner verheilte Rippenbrüche, die auf vorangegangene massive Gewalt hindeuteten. Zudem war das Baby stark unterernährt und hatte einen Schädelbruch erlitten. Ob dieser durch einen Sturz oder Schläge entstanden war, konnte das Gericht nicht eindeutig klären.
Eltern belasten sich gegenseitig
Wer genau das Baby zu Tode geschüttelt hat, blieb auch im Prozess ungeklärt. Klar ist nur, dass es einer der beiden Elternteile war. Die Mutter wies jede Schuld von sich und gab ihrem Ehemann, dem Vater des Kindes, die Verantwortung. Der Vater war bereits im Juni vergangenen Jahres zu drei Jahren Haft verurteilt worden – ebenfalls wegen Beihilfe durch Unterlassen.
Das Gericht stellte fest, dass sowohl Mutter als auch Vater die Misshandlungen hätten verhindern können. Die Vorsitzende Richterin machte deutlich: „Es kann nicht sein, dass keinem der beiden die fortwährenden Misshandlungen aufgefallen sind.“ Beide Elternteile hätten die grausame Gewalt gegen das Baby nicht nur zugelassen, sondern durch ihr Verhalten begünstigt.
Dunkle Schatten des Schütteltraumas
Fälle wie dieser werfen ein Schlaglicht auf die Gefahren des sogenannten Schütteltraumas. Mediziner warnen immer wieder vor den katastrophalen Folgen: Schon wenige Sekunden heftigen Schüttelns können bei einem Säugling tödliche Verletzungen verursachen. Da der Kopf eines Babys im Verhältnis zum Körper sehr groß und schwer ist, führen die heftigen Bewegungen zu schwerwiegenden Hirnblutungen, Schädelverletzungen und Schädigungen der Wirbelsäule.
Jedes Jahr sterben in Deutschland mehrere Babys an den Folgen eines Schütteltraumas. Viele weitere erleiden bleibende Schäden, wie geistige Behinderungen oder motorische Störungen. Häufig ist Überforderung der Auslöser, vor allem, wenn Eltern mit dem Schreien ihres Kindes nicht mehr klarkommen.
Vor dem Landgericht in Köln wurde der Fall verhandelt.
© Federico Gambarini/dpa
Eltern mit dem Säugling überfordert
Dieser Fall verdeutlicht, wie wichtig es ist, Eltern in schwierigen Situationen nicht allein zu lassen. Viele wissen nicht, wohin sie sich wenden können, wenn sie mit einem Säugling überfordert sind. Familienberatungen, Hotlines und Kinderärzte bieten hier Unterstützung an.
Am Ende bleibt die Frage: Wie konnte es so weit kommen? Der kleine Junge hätte eine Chance auf Leben verdient – doch er wurde Opfer von Gewalt und Hilflosigkeit. Das Urteil gegen die Mutter und den Vater ist ein Versuch, Gerechtigkeit zu schaffen. Doch für den Säugling kommt deren Einsicht zu spät. ■
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