Eiskunstlauf

Trainerin Viola Striegler knüpft mit Peter Liebers an Erfolge an

Vorm EM-Start plaudert die 62-Jährige aus ihren 57 Jahren auf Schlittschuhen.

KATRIN GROTH
Lesezeit 3 Min
Peter Liebers verdreht sich für eine Pirouette ...

Peter Liebers verdreht sich für eine Pirouette ...

© Getty Images Lizenz

Die Schlittschuhe kratzen übers Eis, als Peter Liebers zum vierfachen Toeloop ansetzt. Er dreht sich in der Luft, landet sicher. Viola Striegler nickt anerkennend. Die Trainerin weiß: An diesem Sprung werden die Männer heute gemessen.

Seit über 40 Jahren bringt die 62-jährige Striegler Nachwuchstalenten das Eislaufen bei. Mit Peter Liebers hat die erfahrene Trainerin wieder einen, der vorne mitlaufen kann. Bei der EM 2014 lief er auf Platz 6, bei Olympia in Sotschi wurde er Achter. Nach seinem Schulter-Bruch im Herbst peilt der 26-jährige Liebers bei der EM eine Top-Ten-Platzierung an.

Sprünge, Pirouetten, Schrittkombinationen. Die Leistungsdichte in der Weltspitze ist hoch, Details entscheiden über die vorderen Plätze. Viola Striegler: „Im Vergleich zu früher ist das Anspruchsniveau enorm gestiegen. Einst war man mit einem dreifachen Axel schon vorn dabei. Heute sind Vierfachsprünge normal.“

Striegler war selbst Berliner Meisterin. Im Paarlaufen, 1969. Seit sie fünf Jahre alt war, steht sie auf dem Eis, schon neben dem Abitur brachte sie Nachwuchstalenten Rittberger, Flip und Salchow bei. Früher lief aber einiges anders im Training.

„Der Ton war deutlich rauer und lauter als heute“, sagt Striegler. Dafür genossen die Top-Sportler in der DDR Auslandsreisen und jede Art von Unterstützung. Eine Karriere als Eiskunstläufer bedeutete aber auch, auf alles zu verzichten, was ein „angenehmes Leben“ ausgemacht habe, nennt es die Trainerin, die beide Systeme erlebt hat.

Mit 18 oder 19 Jahren waren die Kufenstars auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. „Heute sind die Sportler älter, die Familie muss komplett mitziehen, sonst funktioniert es nicht“, sagt Striegler.

Denn das Pensum ist hoch. Eistraining, Trockentraining, Physiotherapie, Sportpsychologie – für den Traum von der Weltspitze ist Peter Liebers jeden Tag auf Achse. Gleichzeitig studiert er noch Biotechnologie an der Beuth Hochschule.

Nebenbei studieren war zu DDR-Zeiten unmöglich. Da waren die Tage mit Training komplett durchgeplant. „Es herrschte ein strenges Leistungsregime. Wer die Normen nicht erfüllte, war raus“, erklärt Striegler.

Nur wer erfolgreich war, genoss großes Ansehen. „In der DDR war Eiskunstlaufen die Sportart, jede Meisterschaft wurde im Fernsehen übertragen“, erinnert sich Striegler. Trainer und Leistungssportler galten als etwas Besonderes, ähnlich wie Ärzte, sagt die Trainerin.

Der Staat steckte viel Geld in die Sportler, repräsentierten sie doch die kleine DDR bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen. „Sonst hätte doch keiner gewusst, dass es das Land überhaupt gibt“, sagt Striegler und schmunzelt.

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