Eisern!

Union packt den Geißbock an den Hörnern

Eine klasse Vorstellung und ein Tor von Andersson schaffen ein halbes Wunder.

Mathias Bunkus
Lesezeit 3 Min
Sebastian Andersson sieht seinen Ball ins Tor fliegen. Die Kölner um Torwart Timo Horn schalten schon auf Enttäuschung.

Sebastian Andersson sieht seinen Ball ins Tor fliegen. Die Kölner um Torwart Timo Horn schalten schon auf Enttäuschung.

© Matthias Koch

Am Ende hat Grischa Prömel seinen absoluten Frieden mit diesem Spiel geschlossen. Was nur hätte er sich den Kopf zermartert, hätte sein Klops kurz vor der Pause die Partie entschieden. Es hat durchaus was von Slapstick, als er einen Kölner Pass eigentlich schon abgefangen hat, in einem Mix aus Beine verwechselt und mit den Gedanken schon drei Züge weiter die Kugel wieder verliert und Christian Clemens die Gelegenheit zum Solo und dem 0:1 (41.) serviert.

Selbst Steven Skrzybski, der Ur-Unioner und Jetzt-Schalker, kann es als Edel-Fan in Reihe 12, Platz 7, nur schwer fassen. „So ein blödes Gegentor“, stöhnt der Stürmer, „das wäre doch vermeidbar gewesen.“ Naja, passiert ist passiert.

Dieser Bock hätte sich jedem anderen dicke in die Kleider geklettet, nicht so Prömel. Der spielt seinen Stiefel nahezu unbeeindruckt weiter, zwingt Niklas Hauptmann zum Ballverlust, ermöglicht Akaki Gogia (als Joker sofort auf Betriebstemperatur) den Sprint und das präzise Zuspiel auf Sebastian Andersson – drin! Das 1:1 (69.) ist einerseits das erste Pflichtspieltor des Neuen für die Eisernen und das erste Tor der Köpenicker bei den Geißböcken nach zuvor 0:13 Buden überhaupt.

„Es war der Moment, in dem ich da sein musste“, sagt der Torschütze, schickt den Dank aber zugleich an den Vorbereiter. „Akaki hat das wunderbar gemacht. Das war wirklich gut.“

Ex-Trainer Jens Keller freut sich beim Wiedersehen mit Unions-Physio Frank Placzek.

Ex-Trainer Jens Keller freut sich beim Wiedersehen mit Unions-Physio Frank Placzek.

© imago/Moritz Müller

Verdient ist der Punkt allemal, nicht nur aus rot-weißer Union-Sicht. Was die Eisernen vom Anpfiff an anbieten, ist nicht von schlechten Eltern. Zwar mit Respekt vor dem Top-Favoriten, aber mit ganz viel Selbstvertrauen, klarem Kopf und einer großen Portion Herz.

Na gut, die Kölner Führung fällt in einer Phase, in der die Eisernen wackeln. Aber sonst sind sie so was von gut drauf, dass sogar noch mehr möglich ist. Die ersten Gelegenheiten sind auf eiserner Seite, nur ist Kenny Prince Redondo ein wenig zu klein geraten, als dass er einen Kopfball besser hätte platzieren können (16.).

Macht nichts, denn gerade nach dem Rückstand zeigen die Köpenicker, aus welchem Holz sie tatsächlich geschnitzt sind. Da scheitert Ken Reichel mit einem Freistoß sowohl am prächtig fliegenden Timo Horn als auch am Pfosten (47.), da hat Gogia sogar die Führung auf dem Fuß (75.), wird aber von Horn gestoppt. Egal, auch so packen die Eisernen die Geißböcke kräftig an den Hörnern.

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