Eine Berlinerin in Südafrika

Mathias Bunkus
Lesezeit 2 Min

"Dit globe ick nich." Wie bitte? Was waren denn das für vertraute Klänge aus dem Mund unserer Herbergsmutter Nicole (48)? Hatte sie nicht gesagt, ihr Deutsch sei ein wenig eingerostet? Und nun vernahm ich mitten in Durban auch noch einen hauchzarten Berliner Einschlag in ihrem südafrikanischem Akzent!Nikki musste lachen. "Ich habe ja auch in Berlin gelebt." Gelebt ist gut. Einen Steinwurf vom Berliner Olympiastadion war sie mit ihrem Ehemann Dieter Felgen Betreiberin des Wiener Cafés am Spandauer Damm.Als 17-Jährige lernte sie den 18 Jahre älteren Berliner Dieter kennen, heiratete und wanderte aus ihrer Heimat Südafrika aus. Voller stolz präsentiert sie mir ihren alten Restaurant-Werbe-Flyer. Die alte, vierstellige Postleitzahl 1000 Berlin 19 ist noch drauf. "Das waren tolle Jahre."Der Laden brummte. Doch 1996 verkauften sie und ihr Dieter das Café, zogen zunächst nach Kalifonien, eh das Heimweh sie zurück nach Südafrika brachte.In ihrem gemütlichen Gästehaus "Palm Garden" erinnert aber nichts an ihre Berlin-Zeit. "Mein Mann starb 2003. Krebs. Danach habe ich die meisten Sachen, die mich daran erinnerten weggepackt."Und Berlin? "Ich war mal wieder dort. Aber alles ist jetzt irgendwie fremd. Und ich lebe hier ein ganz anderes Leben. Fischen, Segeln." Nein, aus Durban, vom Indischen Ozean kriegt Nikki jetzt keiner mehr weg.

Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com

Lesen Sie mehr zum Thema