Irgendwie hatte sich Corinna V. das anders vorgestellt. „Ich dachte, es wäre toll hier.“ Sie muss schlucken, als sie das erzählt. Verwunderlich ist das nicht: Seit letztem Jahr wohnt sie in der schicken Neubau-Siedlung „Carlsgarten“, einem Lieblingsziel der Langfinger. Corinna V.: „Sie brechen Schuppen auf, klauen Gartenmöbel von Terrassen, reihenweise Autos werden geknackt.“ Sie selbst wurde vor zwei Wochen zum Opfer, die Seitenscheibe war am Morgen ein Scherbenfeld. Das Navi bekamen die Diebe jedoch nicht ausgebaut. Bei zahlreichen Nachbarn schon. In die Townhäuser eine Ecke weiter wurde schon eingebrochen.
Die Zahlen sind erschreckend. Im Bereich der Polizeidirektion 6, Abschnitt 64 (südliches Lichtenberg, 228 Beamte), wurde 2014 387 Mal eingebrochen. Vier Jahre vorher gab es nur 173 Einbrüche – eine Steigerung von 124 Prozent. Von allen erfassten Einbrüchen in Einfamilienhäusern entfallen allein 75 Prozent auf Karlshorst.
„Mehr als 300 Euro gebe ich nicht für ein Rad aus. Nicht hier in Karlshorst“, so Ilona Scholz. Die 67-Jährige hört immer wieder von den Diebstählen, kennt viele Betroffene. Auch ihr wurde schon ein Rad geklaut.
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Anwohnerin Corinna V. lebt dort, auch ihr Auto wurde schon aufgebrochen.
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Auch die nahe gelegene Neubausiedlung „Carlsgarten“ wird immer wieder von Einbrechern heimgesucht.
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Auch an diesem Schloss haben es die Diebe schon versucht. August Weiß (63) wohnt neben dem Bahnhof. Ein Rad stellte er mittags vor die Haustür, zwei Stunden später war es weg. Auch seine Tochter wurde schon Opfer.
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Brigitte Weißbach ist schwer empört. Im vergangenen Jahr wurden ihr am S-Bahnhof Karlshorst zwei Fahrräder geklaut. Eines im März, eines im August. Beide am helllichten Tag. „Die Diebe haben keine Skrupel“.
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Der S-Bahnhof Karlshorst (großes Foto) ist der Fahrradklau-Punkt Nummer 1 – in ganz Berlin.
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Ähnlich dramatisch ist die Zahl der Fahrraddiebstähle. Sie stieg im gleichen Zeitraum von 527 auf 1185 (plus 124 Prozent). Besonders betroffen sind die S-Bahnhöfe Karlshorst und Nöldnerplatz. Sie stehen auf den Plätzen 1 und 3 berlinweit (KURIER berichtete). Ebenfalls stiegen die Diebstähle von und aus Autos. Im vergangenen Jahr waren es 1675 – 2010 noch 1359 (plus 23 Prozent). Besonders betroffen sind die Ortsteile Lichtenberg und Fennpfuhl.
Der Lichtenberger SPD-Abgeordnete Dr. Gregor Költzsch zeigt sich schockiert. „Um den hohen Einbruchszahlen entgegenzuwirken, muss in den betroffenen Gebieten der Funkstreifendienst verstärkt werden.“ An den Bahnhöfen fordert er mehr und regelmäßige Zivilstreifen. „Gelegentliche Schwerpunkteinsätze der Polizei reichen nicht aus“.
Karlshorst ist kein Einzelfall. 2014 gab es mehr als 242 000 Diebstähle in der ganzen Stadt. Der höchste Wert seit zehn Jahren. Die meisten Wohnungseinbrüche gab es in Charlottenburg-Wilmersdorf und Mitte, die höchsten Fallzahlen beim Einfamilienhaus-Einbruch in Steglitz-Zehlendorf und Reinickendorf.
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