Tripolis Hunderte von Toten beim Aufstand in Libyen. Evakuierung der Ausländer. scharfe Proteste und angedrohte Sanktionen aus aller Welt: Das Gaddafi-Regime scheint am Ende. Geflohen ist der Diktator noch nicht. Es gab zwei bizarre TV-Auftritte. Seine Landsleute sahen einen irren "Revolutionsführer", hörten eine Wutrede, in der er wüste Drohungen ausstieß, seinem eigenen Volk den Krieg erklärte. Der Despot ist auf dem Kriegspfad, will den Märtyrer-Tod sterben. Die Menschen in Tripolis waren irritiert. TV-Kameras, ein verwirrter älterer Mann in einem alten Kleinbus. Er hielt einen Regenschirm: Muammar al-Gaddafi (68), Diktator Libyens seit 42 Jahren, seit mehreren Tagen war er komplett abgetaucht.Er war also nicht auf der Flucht, wollte zu den Demonstranten. Nur Regen hätte ihn abgehalten. Gaddafi nuschelte 20 Sekunden etwas in die Mikros: "Ich wollte mit den jungen Leuten auf dem Grünen Platz reden und mit ihnen die Nacht verbringen, doch dann kam der gute Regen. Hiermit zeige ich: Ich bin in Tripolis und nicht in Venezuela. Hört nicht auf die Ansagen der streunenden Hunde!"Ein Tag später wieder ein TV-Auftritt. Dieses Mal kreischte Gaddafi, ganz in braun gekleidet: "Ich werde als Märtyrer sterben wie meine Großväter." Und: Die Aufständischen seien "eine kleine Gruppe von jungen Leuten, denen man Tabletten gegeben habe, sie attackierten die Polizeiwachen, wie die Ratten". Der "Revolutionsführer" klebt an der Macht, zeigt sein wahres, brutales Gesicht, lässt Demonstranten zusammenschießen oder sogar zusammenbomben. Zwei seiner Kampfpiloten quittierten auf spektakuläre Weise ihren Dienst, flogen ihre Jets nach Malta und sich selbst ins Exil.Und Gaddafi? Er soll sich in einer Kaserne in Tripolis verschanzt haben. Der abtrünnige Diplomat Abdulmoneim al-Honi: "Er ist jetzt in Bab al-Asisijah. Das Gelände dort ist sechs Quadratkilometer groß. Außer diesem Stützpunkt gibt es jetzt nur noch zwei Kasernen, die von Gaddafi und seinen Anhängern gehalten werden." Der Diktator scheint wirklich am Ende. In New York befasst sich der UN-Sicherheitsrat mit der Lage in Libyen (schon über 500 Tote, 1400 Vermisste), warnt vor einer weiteren Eskalation.------------------------------BU: Auf diesem Panzer in Bengasi sind Fotos der Männer zu sehen, die beim Aufstand ihr Leben verloren.Zwischenzeile: Regime-Anhänger halten nur noch zwei Kasernen
Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com