Oft stellt sich heraus, dass eine gute Nachricht noch einen Pferdefuß hat. Hat jemand100 000 Euro geerbt, ist die Freude schnell getrübt, wenn der Nachlass mit 80 000 Euro belastet ist. So bewundert heute die ganze Welt den wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland. Voraussichtlich wird es in diesem Jahr ein wirtschaftliches Wachstum von 3 % geben. Die CDU hat auf ihrer Klausurtagung am Wochenende in einer "Mainzer Erklärung" gesagt, sie wolle das Wirtschaftswachstum und den Industriestandort Deutschland weiter stärken. Dazu gehört dann aber, dass auch die Beschäftigten von diesem Wachstum profitieren, denn sie sind neben den Forschern und Ingenieuren diejenigen, die die Qualität der Produkte und des Service garantieren. Viele Unternehmen verdienen heute glänzend, weil sie in den Krisenjahren die Kosten durch Lohnverzicht und Kurzarbeit der Arbeitnehmer massiv senken konnten. Dadurch konnten auch die Arbeitsplätze erhalten bleiben. Der Pferdefuß hier ist aber, dass viele Unternehmer weiter auf dem Rücken der Arbeitnehmer sparen, indem sie beispielsweise die Leiharbeit massiv ausdehnen, Minijobs anbieten und nur befristete Arbeitsverträge abschließen. Das ist Sozialmissbrauch von oben und vor allem keine Vollbeschäftigung, von der der Bundeswirtschaftsminister jeden Tag redet. Die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns für Leiharbeit, der zur Zeit von der FDP blockiert wird, ist das Mindeste was das Parlament beschließen muss. Die FDP müsste eigentlich auch erkennen, dass sie mit einem Wählerpotenzial zur Zeit von 5 % nicht bestimmen darf, wie die restlichen 95 % regiert werden sollen.
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