Vor seiner Aquariumscheibe drängelten sich unzählige Kamerateams aus aller Welt, stapelweise bekommt er Fanpost und hat jetzt sogar einen eigenen Bodyguard - der Krake Paul (2½) im Sea Life in Oberhausen ist zum Weltstar avanciert. Alle sieben WM-Spiele der deutschen Mannschaft und auch das Finale hat Paul richtig vorhergesagt. Eine Trefferquote von 100 Prozent! Und ein Hohn für die mathematische Wahrscheinlichkeitslehre.Was wissen wir eigentlich über diese Tiere? Kraken gelten als die cleversten unter den Weichtieren, ihre Intelligenz wird mit der von den ebenfalls recht cleveren Ratten verglichen. Kraken sind neugierig, lernfähig und schaffen es sogar, verschraubte Marmeladengläser zu öffnen, wie sie Forschern im Experiment demonstrierten. Die "Weisen der Meere" werden sie auch genannt - dabei haben sie es nicht nur im Kopf. Auch jeder ihrer acht Arme hat ein hoch komplexes Nervensystem, also ein Mini-Gehirn, das die vom restlichen Körper unabhängigen Armbewegungen steuert.Kraken sind Kopffüßer und gehören damit zu den ältesten Lebewesen der Erde. Seit 550 Millionen Jahren tummeln sich Kraken auf dem Meeresgrund. Wobei auch kurze Landgänge drin sind - so lange eben, wie es die Kiemenatmung erlaubt.Den Namen "Krake" verdankt das Tier den Skandinaviern, er bedeutet "entwurzelter Baum". Die acht Fangarme erinnern tatsächlich an Baumwurzeln. Und sie gaben dem Tier auch seinen wissenschaftlichen Namen: Oktopus (griechisch: okto = acht). Etwa 200 Krakenarten sind bekannt, sie sind eine Untergruppe der Tintenfische - der achtarmigen, nicht der zehnarmigen. Kraken sind in allen Meeren daheim, kleine, von nur wenigen Zentimetern, und große, mit bis zu vier Meter Spannbreite.So ein Oktopus ist erstaunlich beweglich. Im Gegensatz zu anderen Kopffüßern haben Kraken ihre innere Schale komplett abgebaut, sie haben weder Knochen noch Knorpel. Geschmeidig schieben sie den sackartigen Körper durch die engsten Ritzen. So ist es etwa für einen gewöhnlichen Kraken (einen "Octopus vulgaris", so einen wie Paul) kein Problem, sich durch den Ausguss einer leeren Getränkedose hineinzuschlängeln und dort Quartier zu beziehen. Lieber aber hockt er in Höhlen und Felsspalten, lässt die Arme raustentakeln und hat ein scharfes Auge auf alles, was vorbeischwimmt.Bei Muscheln, Krabben und Krebsen wird flink zugegriffen; festgehalten wird die Lieblingsspeise dann mit den Dutzenden von Saugnäpfen an den Armen. Die können übrigens auch gut fühlen und sogar erschmecken, ob die Beute als Mahlzeit taugt. So kann der Krake "blind" nach Nahrung suchen, nur mit ausgefahrenem Arm.Um die gepanzerten Leckerbissen zu genießen, knackt der Krake die Schale mit seinem kräftigen Hornschnabel. Oder bohrt damit ein Loch, in das er Verdauungsflüssigkeit spritzt, so die Innereien seiner Beute auflöst und aufsaugt.Natürlich hat der Krake auch Feinde: Haie, Pottwale und Delphine, Pinguine und Robben schätzen ihn als weiche Kost. Doch der Krake hat Verteidigungspotential. Zunächst mal kann er sich blitzschnell farblich der Umgebung anpassen, die perfekte Camouflage-Tarnkappe. So mancher Oktopus beißt auch kräftig zu - und kann dabei ziemlich giftig werde.Eine weitere Waffe ist die Tintendrüse, mit der der Krake braune Flüssigkeit ausstoßen kann. Eine geniale Vernebelungstaktik, die es dem Kraken leicht macht, sich dann im Dunklen davonzustehlen. Oder er mischt der Tinte etwas Schleim bei, was die Farbwolke krakenförmig werden lässt - und mit etwas Glück greift der Feind die Tinten-Attrappe an.Doch dann hilft nur noch die Flucht. Wobei Kraken nicht mit den Armen rudern, nein, die werden stromlinienförmig angelegt. Tempo machen Kraken mit dem Wasser, das sie aus dem Körper pressen und so einen Rückstoß erzeugen, der sie pfeilschnell davonschießen lässt.Kraken sind nicht sehr gesellig, selbst bei der Paarung bleiben sie auf Abstand. Das Männchen fährt dabei gerade mal seinen Begattungsarm Richtung Weibchen aus und schiebt die Samenkapseln zu ihr rüber. Allerdings kann man gut verstehen, dass das Männchen die Zeugung mit Distanz angeht - es stirbt anschließend. Davor wird aber geklotzt und nicht gekleckert: Bis zu 150000 Eier werden befruchtet, die das Weibchen in Steinnestern ablegt, bewacht und ihnen Atemwasser zufächelt. Einen Monat lang zehrt sie sich auf für die Brut, dann schlüpft der Nachwuchs - und auch die Herzen des Weibchens hören auf zu schlagen.Herzen. Kraken habe ein Hauptherz und zwei Kiemenherzen, durch die übrigens bläulich-grünes Blut fließt.Doch mit oder ohne Sex - die Lebenserwartung der Krake ist kurz, viel mehr als drei Jahre sind nicht drin. Und so können wir jetzt schon mit Sicherheit vorhersagen: Bei der nächsten Fußball-WM wird Paul nicht mehr orakeln.------------------------------BU: Mit scharfem Blick beobachten Kraken, was um sie herum vor sich geht. Auf Beutefang könnten sie aber auch mit geschlossenen Augen gehen, dank der vielen Saugnäpfe an den Armen, die nicht nur tasten, sondern auch schmecken können.BU: Seefahrerlegenden erzählen von gigantischen Kraken, die Schiffe angegriffen und Seeleute in die Tiefe gezogen hätten. Seemannsgarn? Die neuere Forschung sagt, dass was dran sein könnte an den Riesenkraken.
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