Eigenbedarf

Gerhard (82) vor die Tür gesetzt!

Mieterverein fordert besonderen Kündigungsschutz für Rentner

Kerstin Hense
Lesezeit 3 Min
Gerhard Blome sitzt im Sessel seines Wohnzimmers. In sechs Monaten muss er spätestens aus der Wohnung raus sein.

Gerhard Blome sitzt im Sessel seines Wohnzimmers. In sechs Monaten muss er spätestens aus der Wohnung raus sein.

© Gerd Engelsmann

„Ich bin doch hier in meinem Kiez verwurzelt. Wenn ich hier nichts finde, muss ich weiter wegziehen“, sagt der Senior. Die noch unklare Zukunftsperspektive bereitet ihm Bauchschmerzen. Der Wohnungsmarkt in Berlin ist bekanntlich schwierig und das hohe Alter von Herrn Blome macht die Suche kaum einfacher. Der Senior sitzt auf einer Bank in den Ceciliengärten und ruht sich aus. Das macht er bei schönem Wetter täglich, nachdem er in der Kantine des Rathauses Schöneberg pünktlich um 12 Uhr sein Mittagessen eingenommen hat.

Hier an den Ceciliengärten fühlt sich Gerhard Blome sehr wohl in seiner Wohnung. 

Hier an den Ceciliengärten fühlt sich Gerhard Blome sehr wohl in seiner Wohnung. 

© Gerd Engelsmann

Seit zehn Jahren lebt Gerhard Blome nun schon an den Ceciliengärten und ist sehr glücklich dort, wie er sagt. Er bewohnt eine Zweizimmerwohnung, 50 Quadratmeter (600 Euro), in zentraler und trotzdem ruhiger Lage mit viel Grün nahe dem Innsbrucker Platz. Das Schicksal hatte ihn erst mit 72 Jahren aus Nordrhein Westfalen in die Hauptstadt geführt. Er trennte sich nach 30 Jahren Ehe von seiner Frau. „Ich weiß nicht, ob ich noch einmal einen Umbruch verkraften kann “, sagt er.

„Wo soll ich in meinem Alter denn noch hin?“

Das Problem: Seine Vermieterin hat ihm Ende Mai wegen Eigenbedarfs zum 1. Februar 2020 gekündigt. „Sie hat mich vor der Kündigung zum Kaffee eingeladen und mich darauf vorbereitet. Offenbar sind sie selbst in einer schwierigen Situation“, sagt Blome. Dem KURIER gegenüber bestätigte sie, dass es private und sehr persönliche Gründe seien, die zur Eigenbedarfskündigung geführt hätten und die sie aber nicht näher erläutern möchte.

Trotzdem trifft die Veränderung Gerhard Blome hart. „In meinem Alter gibt einem die Gewohnheit Sicherheit. Wo soll ich denn noch hin?“, sagt er.

Bereits vor drei Monaten appellierte der Berliner Mieterverein an die Bundesregierung, den Kündigungsschutz für ältere Mieter zu stärken. „Im BGB soll ergänzend geregelt werden, dass Mieter, die das 70. Lebensjahr vollendet haben, schwer erkrankt sind oder die nun mehr als 20 Jahre in einer Wohnung leben, nicht wegen Eigenbedarfs gekündigt werden können“, forderte Geschäftsführer Reiner Wild. Auslöser war eine Entscheidung vor dem Bundesgerichtshof, die zugunsten des Vermieters ausging. Er hatte seiner demenzkranken Mieterin im hohen Alter wegen Eigenbedarfs gekündigt.

Gerhard Blome ist ein besonnener Mann, der nicht mit seinem Schicksal hadert, wie er sagt. „Ärger mag er nicht. Das bringt einen ja nicht weiter, weil es nichts ändert an der Situation“, sagt er. Der Senior hofft, dass er doch noch eine Wohnung in seiner vertrauten Umgebung findet und weiter in der Rathauskantine essen gehen kann und die Ruhe an den Ceciliengärten genießen kann. Er sagt: „Man muss aus allem das Beste machen.“ Vielleicht nimmt seine Geschichte doch noch ein gutes Ende.

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