Der Mauerfall verlief ohne Blutvergießen. DDR-Bürger reisten plötzlich unbehelligt in den Westen. All das wäre aus Krenz-Sicht unmöglich gewesen ohne – Egon Krenz. Weitsichtig habe er am 3. November 1989, einen Tag vor der Großdemo am Alex, einen Geheimbefehl mit Schießverbot erlassen. Das stimmt sogar, aber Krenz’ Ton verwundert. Großmütig habe er darüber hinweggesehen, dass ihn die Bürger öffentlich auslachten („Krenztruppen“, „Krenzkontrollpunkt“).
Vorkämpfer für die Reisefreiheit
Die Sicherheit der Demonstranten sei stets wichtiger gewesen als die Eitelkeit der Funktionäre. „Jene also, die auf dem Alexanderplatz geschmäht wurden, sorgten dafür, dass diese Kundgebung sicher verlief“, schreibt Krenz. Noch heute ist er davon überzeugt, dass bei den Demonstranten „viele Illusionen im Spiel“ waren. Gleichwohl habe Krenz alles getan, um dem Bürgerwillen gerecht zu werden.
Erster Vorkämpfer für eine „Reiseverordnung“, die West-Reisen ab 10. November 1989 problemlos erlauben sollte, war aus Krenz-Sicht natürlich – Egon Krenz. Als er den fertigen Beschluss an Regierungssprecher Günter Schabowski übergab, habe er dies mit den Worten getan: „Du musst unbedingt über den Reisebeschluss informieren. Das ist die Weltnachricht!“
Steckte Krenz demnach sogar hinter dem Mauerfall? Nein, so weit geht er nicht. Es sei tatsächlich Schabowski gewesen, der mit seinem Versprecher („Das tritt nach meiner Kenntnis ... ist das sofort, unverzüglich“) am Abend des 9. November den Sturm auf die Mauer auslöste. Aber als dann die Frage aufkam, wie man damit umgehen soll, habe Krenz entschieden: „Also, hoch mit den Schlagbäumen!“
Das neue Buch von Egon Krenz.
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Buchvorstellung mit Egon Krenz, 11. Juli 2019 ab 19 Uhr, im Russischen Haus, Friedrichstraße 176-179
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