In einer geheimen Sitzung des Untersuchungsausschusses in der Nacht zu Freitag hat Edathy nach KURIER-Informationen mehrere Personen benannt, denen er bereits im Herbst 2013 - Monate vor der Rückzug aus der Politik sowie vor den Hausdurchsuchungen ab dem 10. Februar – davon berichtet habe, dass gegen ihn möglicherweise strafrechtliche Ermittlungen anstünden. Dabei soll Edathy den Personen auch berichtet haben, dass er seine Informationen vom SPD-Abgeordneten Michael Hartmann (51) habe. Dieser wiederum soll als Quelle den damaligen BKA-Chef Jörg Ziercke (67) benannt haben.
Bei den von Edathy genannten Personen handelt es sich um seine beiden früheren Büroleiter, einen Ex-SPD-Bundestagskandidaten und einstigen Hartmann-Mitarbeiter und die ehemalige niedersächsische SPD-Landtagsabgeordnete Bärbel Tewes-Heiseke (74). Außerdem wird in der kommenden Sitzungswoche Edathys Rechtsanwalt Christian Noll als Zeuge gehört. Gerade Noll würde seine Existenz auf Spiel setzen, würde er vor dem Ausschuss eine falsche uneidliche Aussage treffen. Bestätigen die Zeugen Edathys Version, dürften in der SPD wohl ein paar Stühle frei werden. Denn Hartmann hatte bisher stets behauptet, Edathy nicht informiert und auch von Ziercke nichts erfahren zu haben.
Unterdessen musste Hartmann am Freitagmorgen gegenüber dem Untersuchungsausschuss auf Anfrage einräumen, dass er sich beim rheinland-pfälzischen LKA-Präsidenten Wolfgang Hertinger (64) nach den Kinderporno-Ermittlungen in der „Operation Spade“ erkundigt habe. Auch Edathy war Teil dieser Ermittlungen, die dazu führten, dass er sich ab 23. Februar vor dem Landgericht Verden verantworten muss. Zufall? Kaum vorstellbar.
Ob Hertinger, der nun auch als Zeuge geladen wird, Hartmann auch etwas preisgab, ist unklar. Das LKA lehnte am Freitag eine Stellungnahme gegenüber gegenüber dem KURIER ab. Aber Fakt ist: Beide kannten sich ziemlich gut. 22 Jahre war Hertinger Beamter im Mainzer Innenministerium. Deren Pressesprecher bis 2002: Michael Hartman. Außerdem war ausgerechnet Hertinger Leiter einer Tagung in Münster (NRW) am 16 und 17. Oktober 2013, bei der sowohl Hartmann als auch Ziercke zu Gast waren – wenige Stunden nachdem der Fall Edathy im BKA bekannt wurde. Edathy hatte bereits gemutmaßt, dass Hartmann bei dieser Tagung erstmals Infos über seinen brisanten Fall bekommen hat – und ihm, Edathy, einen Monat später selbst verriet.
SPD-Chefhaushälter Johannes Kahrs wiederum soll von einem der früheren Büroleiter Edathys nähere Informationen erhalten haben, ebenso SPD-Parlamentsgeschäftsführerin Petra Ernstberger (59). Die ersten Zeugen müssen am 29. Januar aussagen, Kahrs ist am 5. Februar dran. Im Anschluss kommt erneut Hartmann.
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