DJ Felix Jaehn

„Ich konnte nicht der sein, der ich sein wollte“

Der bisexuelle Star feiert ersten CSD-Auftritt und will sich nicht mehr verstecken.

BK
Lesezeit 3 Min
DJ Felix Jaehn bei einem Pressetermin im Wachsfigurenkabinett Madame Tussauds. 

DJ Felix Jaehn bei einem Pressetermin im Wachsfigurenkabinett Madame Tussauds. 

© dpa/Christoph Soeder

In Berlin feiert er jetzt auf der Bühne sein Coming-out. DJ Felix Jaehn (24, „Ain’t nobody“) legt am Sonnabend erstmals beim Christopher-Street-Day vorm Brandenburger Tor auf. Bisher traute er sich nicht, beim CSD dabei zu sein. Denn noch vor Monaten hielt der Star es geheim, dass er bisexuell ist.

Sexuelle Orientierung war lange Zeit ein Geheimnis

„Ich konnte nicht der sein, der ich sein wollte. Ich selbst zu sein, war für mich ein Kampf.“ Zeilen aus dem neuen Song „Love on myself“, in denen der DJ gut beschreibt, warum er seine sexuelle Orientierung lange verschwieg.

Schlagfertig berühmt mit 20 Jahren

Er war gerade 20, als er plötzlich zu einem der angesagtesten DJs der Welt wird. Sein Hit „Cheerleader“ steht 2014 sogar in den USA in den Charts auf Platz eins. Schlagartig im Rampenlicht zu sein: Das ist für einen jungen Menschen, der seinen Lebensweg sucht, nie eine einfache Sache. Noch dazu, wenn man nicht nur auf Frauen steht. Darüber öffentlich zu reden, traute er sich damals nicht.

Über Druck und Stress, "ertappt" zu werden

Jaehn erinnert sich noch gut an das mulmige Gefühl, das er hatte, wenn er Interviewfragen zum Privatleben auszuweichen versuchte. „Das Problem daran war, dass ich einen Teil von mir versteckt habe. Man weicht aus, baut sich Mauern auf, verändert das Sprechen“, sagt er. „Ich habe sogar Bewegungen auf der Bühne angepasst, um unauffälliger zu wirken. Das ist ein unglaublicher Stress und unfassbarer Druck, wenn man ständig das Gefühl hat, gleich ,ertappt’ zu werden.“

Erwachsenwerden auf Welttourneen

Neue Hits, Festivalauftritte, die Zusammenarbeit mit Stars wie Herbert Grönemeyer und Mark Forster: Der Rummel um seine Person wird größer, Fragen nach dem Privatleben nehmen zu. „Die Prozesse des Erwachsenwerdens und der Selbstreflexion habe ich durchlaufen, während ich auf Welttourneen war und im Fokus der Medien stand. Das hat natürlich den Druck erhöht.“

Vergangenes Jahr steht für ihn fest: Er möchte keine Geheimnisse mehr um sein Privatleben machen. In einem Artikel in der „Zeit“ schreibt er über seine Bisexualität. Der Star will sich nicht mehr verstecken.

CSD-Auftritt in Berlin als eine Art Befreiungsschlag 

Auch auf den CSD in Berlin nicht. „Für mich ist der Auftritt sehr, sehr wichtig. Ich habe jetzt die Freiheit, überhaupt dort hinzugehen und mich öffentlich zu zeigen. Ich bin früher nicht auf solche Paraden gegangen. Man hätte mich ja sehen können. Deswegen ist es jetzt umso schöner, frei und fröhlich mitfeiern zu können.“

(dpa/T. Bremserseine)

Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com