Diktator droht Berlinale

Hass-Angriff aus dem Reich der Finsternis

Nordkorea-Diktator droht der Berlinale mit „gnadenloser Bestrafung“. Es geht um eine Kinosatire.

MARCUS BÖTTCHER
Lesezeit 3 Min
Ein Ausschnitt aus „The Interview“.

Ein Ausschnitt aus „The Interview“.

© dpa Lizenz

Dieter Kosslick ist ein Genussmensch. Zur Kultur, zu guten Filmen und besserem Slow Food-Essen fühlt er sich hingezogen. Nun aber landete der Berlinale-Direktor, sonst jovialer Unterhalter mit besten Kontakten in die Glamour-Szene, ungewollt auf dem diplomatischen Welt-Parkett. Und zwar nicht auf dem friedlichen.

Nordkorea, das Reich der Finsternis, hatte seine Drohgebärden gegen die Veranstalter der Filmfestspiele gewandt. Grund ist die Kinosatire „The Interview“, in der es um einen Mordkomplott gegen Diktator Kim Jong-un geht. Mit Hass-Tiraden hatte das weithin isolierte Regime in Pjöngjang bereits auf den Kinostart des Films in den USA reagiert (KURIER berichtete).

Nun rief Nordkoreas Außenministerium dazu auf, die Aufführung bei der Berlinale zu stoppen, man unterstellte, sich den „feindseligen Aktionen der USA gegen Nordkorea“ anzuschließen. Diejenigen, die dabei mitmachten, die „Souveränität und Würde der Volksrepublik zu verletzen, werden einer gnadenlosen Bestrafung nicht entgehen“, hieß es auf der Website der staatlich kontrollierten Nachrichtenagentur KCNA.

Die Sache hat nur einen Haken. Einen riesengroßen. Der Film wird gar nicht auf der Berlinale gezeigt! Am Donnerstag baten die Festspiel-Organisatoren deshalb um einen Termin mit dem nordkoreanischen Botschafter in Berlin, Si Hong Ri, luden ihn ins Büro von Kosslick. Der Diplomat kam, das Gespräch dauerte eine Stunde. Berlinale-Sprecherin Frauke Greiner: „Es war ein großes Missverständnis. Den Film zu zeigen, war nie vorgesehen. Er wurde uns auch nie von Sony angeboten.“

Wie also kamen Kim Jong-uns Schergen auf den Unsinn? Zwei Erklärungen: Zum einen fällt der deutsche Kinostart von „The Interview“ am 5. Februar zufällig auf den Termin der Berlinale-Eröffnung. Vor kurzem scherzte Kosslick in einem Interview noch: „Vielleicht machen die das speziell für die Nordkorea-Delegation, die immer zur Berlinale kommt.“ Zum anderen könnte es sich um eine Verwechslung handeln. Vor Jahren lief „The Interview“ in Berlin. Ein Kurzfilm von Ernest Pintoff. Hat sich der Geheimdienst „vergoogelt“?

Peinlich ist’s für Nordkorea allemal. Könnte man meinen. Denn die Gift und Galle spuckenden Asiaten sehen die Angelegenheit anders. Natürlich. Der KURIER erreichte den Presseattaché des Botschafters. Und bekam Skurriles zu hören. Auf die Frage, was mit der Wortwahl „gnadenlose Bestrafung“ gemeint sei, antwortete er: „Das war doch keine Drohung, lediglich eine Stellungnahme“.

Seinen Namen wollte er nicht verraten. Dafür weitere Propaganda. „Irgendwo in den Medien stand, dass der Film bei der Berlinale laufen wird. Darauf haben wir reagiert und mit Herrn Kosslick vereinbart, dass dies nicht geschehen wird. Wir werden das genau beobachten, auch was in den deutschen Kinos passiert.“

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