Digitale Schülerdatei

Hier ist Ärger programmiert

Jeder Schüler wird nun mit seinen Daten digital erfasst.

Martin Klesmann
Lesezeit 2 Min
Schon jetzt gibt es viel Unmut von Datenschützern.

Schon jetzt gibt es viel Unmut von Datenschützern.

© Getty Images/iStockphoto

Wenn mal etwas klappt in Berlin, dann spricht man gerne von einem historischen Tag. Genau das tat Bildungsstaatssekretär Mark Rackles (SPD) Montag in der Grundschule am Koppenplatz in Mitte. Der Grund: Gemeinsam mit Schulleiterin Angela Thiele startete er die digitale Lehrer- und Schülerdatenbank. Abgekürzt: Lusd. Hier wird nun jeder Schüler mit seinen Daten digital erfasst. Man wird die Schulkarriere jedes einzelnen Schülers verfolgen können.

Staatssekretär Rackles mit Schulleiterin Thiele.

Staatssekretär Rackles mit Schulleiterin Thiele.

© SenBJ

„Der Lehrerbedarf kann auf dieser Basis präziser berechnet werden“, sagt Rackles. In Zukunft soll auch das elektronisches Klassenbuch auf dem Server des IT-Dienstleistungszentrums (ITDZ) Platz finden. Eltern sollen dann etwa einen Anruf auf ihrem Handy erhalten, wenn ihr Kind schwänzt.

Mindestens 16 Millionen Euro verschwendet 

Dabei ist es ein Wunder, dass die Schülerdatei überhaupt an den Start geht. Alles geschah unter dem großspurigen Namen„eGovernment@school“. Doch richtig schief lief es, als der damalige Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) sich eine krasse Fehlentscheidung erlaubte. Jede Schule sollte einen eigenen Mini-Server bekommen. Über 500 wurden ausgeliefert. Dafür mussten voll klimatisierte Räume geschaffen werden. Mit Belüftungsanlagen bis aufs Dach. Viele Schulen waren ihrem Mini-Server heillos überfordert.

2013 zog Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) die Reißleine. Die Kassenprüfer vom Landesrechnungshof stellten fest, dass mindestens 16 Millionen Euro verschwendet wurden. Man sprach wegen des Schadens vom „Bildungs-BER“. Rackles benannte gestern nur einen konkreten Schaden von drei Millionen Euro. Statt über Mini-Server läuft die Schülerdatei nun über den zentralen Server beim ITDZ.

Doch einige Schulleiter glauben nicht, dass alle Schulen mit der neuen Technik zurechtkommen werden. Zudem meldet die Berliner Datenschützerin Bedenken an. Sie will nicht, dass dort Zeugnisse wie geplant gespeichert werden. Denn auf Verwaltungsdateien dürfe dies nicht geschehen.

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