20 900 Betriebe betroffen
Handwerker sollten im Notfall, wenn die Heizung ausfällt, richtig schnell sein. Setzt Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos) ihr Vorhaben in die Tat um, wäre die Fahrt zur kaputten Heizung vorerst nicht mehr möglich. Denn fast alle Transporter von Handwerksfirmen oder Paketdiensten sind ältere Dieselfahrzeuge. Und die müssten der Innenstadt fernbleiben. Nach Angaben der Handwerkskammer müssten 20 900 Betriebe in Berlin ihre Fahrzeuge austauschen.
Nur die besonders Sauberen dürften mit einer Blauen Plakette rein, so die Überlegung von Rot-Rot-Grün. Doch die Sauberen mit der sogenannten Euro-6-Norm, die die Blaue Plakette bekämen, sind erst seit Kurzem auf dem Markt. Viele Betriebe haben diese Autos noch nicht eingekauft.
„Es sollte Übergangsregelungen geben."
„Wenn das so kommt, bleiben wir auf unseren acht Transportern sitzen. Die Anschaffung eines neuen kostet 25 000 Euro. Das können wir uns nicht leisten“, so Christoph Massei. Er ist Geschäftsführer der Firma Akut Solar – und Haustechnik in Mitte und eigentlich ein ruhiger Typ. Auf den Vorstoß der Senatorin reagiert er mit Verwunderung: „Es sollte Übergangsregelungen geben und Sondergenehmigungen.“
Bei einem Diesel-Verbot müssten 20 900 Betriebe in Berlin ihre Fahrzeuge austauschen.
© Archiv
Christoph Massei denkt an kleine Unternehmer wie Eis- oder Dönerverkäufer, auch sie haben kein Geld für neue Autos. „Wir haben noch keine Handlungsoptionen.“ Er wohnt selbst in Neukölln und ist daran interessiert, dass die Luft sauberer wird. Mehr Tempo-30-Zonen auf den Hauptstraßen, wie Senatorin Günther sie auch vorgeschlagen hat, hält er für sinnvoller als ein Dieselverbot.
Die Schadstoffgrenzen wurden lange von den Dieselherstellern ignoriert. Das sei kriminell und Betrug, so Umweltpolitiker Daniel Buchholz (SPD): „Hier müssen die kleinen Handwerker ausbaden, was die Autoindustrie und der Bundesverkehrsminister verschleppt haben.“
Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com