Regierungschef Michael Müller

Dieser erste Platz stinkt

Sein gepanzerter Mercedes ist die größte Dreckschleuder aller Dienstwagen.

Gerhard Lehrke
Lesezeit 3 Min
Der Regierende Bürgermeister von Berlin Michael Müller fährt nicht besonders umweltfreundlich. 

Der Regierende Bürgermeister von Berlin Michael Müller fährt nicht besonders umweltfreundlich. 

© imago/Emmanuele Contini

Der „Mercedes-Benz S-Guard 600“ Müllers, eine gepanzerte Limousine von 2016 – damals für drei Jahre geleast – hat einen Benzinmotor mit 530 PS. Das Trumm hat also Bumms, was wegen der vier Tonnen Gewicht auch nötig ist, damit es in Fahrt kommt. Allerdings haben auch andere Politiker schusssichere Dienstwagen, unter anderem Innensenator Andreas Geisel (SPD), aber keiner hat einen derartig hohen Schadstoff-Ausstoß wie das Müller-Mobil: Echte 408 Gramm des Klimagases Kohlendioxid pustet es pro Kilometer in die Luft, sagt die DUH. Der EU-Grenzwert für Dienstwagenflotten liegt bei 130 Gramm.

Mercedes-Benz S 600: Dienstwagen vom Michael Müller.

Mercedes-Benz S 600: Dienstwagen vom Michael Müller.

© imago/Stefan Zeitz

Gleichzeitig verschlingt das schwarze Umwelt-Ungeheuer mit 11,6 Liter Normverbrauch (das ist der Wert, den praktisch kein Auto wirklich einhalten kann) mehr Treibstoff als jeder andere untersuchte Dienstwagen von Ministern in Bund und Ländern.

Schon das vorherige Müller-Dienstauto, ein gepanzerter Audi, war auf der Negativ-Liste der DUH ganz vorne mit dabei, obwohl er ihn 2014 von seinem Amtsvorgänger Klaus Wowereit (SPD) geerbt hatte. Dennoch und trotz des Markenwechsels wird Michael Müller von seinen eigenen Worten eingeholt: 2018 hatte er sich – wie passend – „stinksauer“ geäußert, weil er schon damals mit der Dreckschleuder unterwegs war und sich hinters Licht geführt fühlte.

Die Verantwortlichen von Polizei, Fuhrpark und Landesverwaltungsamt hätten ihm den Mercedes mit dem Hinweis auf Alternativlosigkeit gewissermaßen untergejubelt. Deshalb wolle er den Leasingvertrag prüfen und nach Alternativen suchen lassen. Das war bis März 2019, als die DUH die Daten erhob, noch nicht geschehen. Senatssprecherin Claudia Sünder teilte jetzt auf Anfrage mit, dass Müller im ersten Halbjahr 2020 einen gepanzerten Audi „mit reduziertem Ausstoß“ bekommen werde.

Gesamte Dienstwagenflotte auf Platz 2

Einfach auf den „Panzer“ verzichten kann er nicht. Qua Amt gelten Regierender Bürgermeister und Innensenator für das Landeskriminalamt als gefährdet und müssen besonders geschützt werden.

Insgesamt sieht es mit der Dienstwagenflotte des Senats deutlich besser aus. Auf der Rangliste liegt Berlin gemeinsam mit Hamburg auf Platz 2 im positiven Sinn. Im Schnitt verursachen die Dienstwagen der Senatoren 202 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer, nur Bremen ist mit 199 besser. Das war in den Jahren vor 2018 schlechter – und rechnet man Müllers Wagen raus, käme man bei 181 Gramm heraus.

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) ist in der Landesregierung mit dem saubersten Auto unterwegs (160 Gramm CO2/km). Es ist ein reiner Benziner der Marke Lexus und schneidet dennoch besser ab als die Hybrid-Passats des Finanzsenators Matthias Kollatz (SPD), der Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) und der Umweltsenatorin Regine Günther (Grüne) mit 164 Gramm.

Diesel sind inzwischen bis auf den BMW von Innensenator Geisel aus dem Senats-Fuhrpark verschwunden. Damit sank auch der dieseltypische Stickoxid-Ausstoß, der von der DUH nicht erhoben wurde.

Verwirrend bei der DUH-Untersuchung ist, dass zwar der Anteil der Hybrid- und Elektroautos in den Dienstwagenflotten von Bund und Ländern gestiegen ist – gleichzeitig aber in der Summe auch der Kohlendioxid-Ausstoß. Selbst die drei Elektrofahrzeuge (keines davon beim Senat) erreichen die 130-Gramm-Grenze nicht. Das liegt laut DUH daran, dass die Stromerzeugung für sie die Grenzwerte auch nicht einhält.

Die DUH hat 237 Dienstwagen betrachtet, darunter 143 Diesel, 17 Benziner, 74 Hybridwagen und die drei Stromer.

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