Bei seiner Pflege-Mama Dr. Doris Tesch und deren Tochter Lisanne (21, FU-Studentin der Veterinärmedizin) rappelt es nämlich im heimischen Wohnzimmer in Bernau.
Der gut sieben Wochen alte Tiger hat hier eine Menge Freunde gefunden. Neben den Zweibeinern hoppeln, hüpfen, schwimmen und bellen die den ganzen Tag um ihn herum.
Feldhase Dürer. Das Langohr wurde nur sechs Tage nach Diego bei Dr. Tesch abgegeben. Passanten hatten das gerade einmal 300 Gramm schwere und völlig unterernährte Tier gefunden. Seinen Namen trägt der Hase aufgrund seiner verblüffenden Ähnlichkeit mit einem berühmten Aquarell des Malers Albrecht Dürer.
Tesch: „Er und Diego verstehen sich blind. Da hüpft der Hase gern über den Tiger wenn sie sich auf ihren nächtlichen Streifzügen durch unser Wohnzimmer treffen.“
Beide Tiere werden mit der gleichen Milch aufgezogen. Diego trinkt aus einer Babyflasche, Dürer bekommt die Nahrung mit einer Spritze verabreicht. Zum Glück, jedenfalls für den Hasen, ist Diegos Jagdinstinkt noch nicht vorhanden.
Wellensittich Pitti: Der Vogel wurde in einem Hühnerstall gefunden und bei Tesch abgegeben. Seitdem lebt der leberkranke Sittich (leidet an einem Tumor) mit seinem Artgenossen Sammy in der Küche. Fliegen kann er nicht mehr, lässt sich jedoch gern auf dem Rücken des Tigers durch die Räumlichkeiten tragen.
Chihuahua Lucy: Der kleine Schoßhund ist seit Diegos Einzug die „Adoptivmama“ des Tigers, kümmert sich von Anfang an um die Raubkatze. Beide teilen sich sogar ein Schlafkörbchen. „Sie leckt Diegos Fell, seine Ohren, beschützt ihn vor den anderen Hunden.“ Denn neben Lucy toben drei weitere Chihuahuas bei den Teschs – die allerdings seit neuestem besonders viel Abstand halten.
Denn Diego wächst und wächst, bringt bald sieben Kilogramm auf die Waage. „Lucy muss aufpassen. Sie wiegt ja nicht einmal zwei Kilogramm. Wenn er sich im Schlaf auf sie rollt, ist sie platt.“
Außerdem wird das Spielen mit der Raubkatze für die zierlichen Hunde zunehmend gefährlich, Diego kann mit seiner mächtigen Pranke schon tapsig kraftvoll zulangen.
Goldfisch Goldi: Neben zahlreichen Koi-Karpfen der einzige Goldfisch in der „Sammlung“. Ein besonderes Exemplar. Ihn entdeckte Lisanne Tesch, damals noch eine Jugendliche, zappelnd auf der Straße. Wie auch immer er dort hin kam. Das Mädchen packte ihn in ihre Zahnspangendose und rannte nach Hause. Goldi überlebte, dreht seitdem Runden im Gartenteich.
Grünflügelara Fritzchen: Der Papagei ist der dienstälteste Mitbewohner der WG. Seit 14 Jahren lebt er bei Doris Tesch. „Fritzchen knabbert Diego zärtlich am Ohr, das genießt der Tiger total“, lacht die Tierärztin. Aber nicht nur das.
Selbst seine Körner will der Ara teilen, verteilt sein Futter im Wohnzimmer. „Wir müssen aufpassen, dass Diego diese nicht erwischt, die Körner sind noch nichts für ihn. Außerdem ist Lucy meist schneller.“ Fliegen kann Fritzchen, den Tesch vom Zoo Eberswalde bekam, nicht mehr. Und auch mit dem Sprechen hapert’s.
Abends hat der Ara jedoch das letzte Wort. Dann nämlich, wenn die Rasselbande längst die Köpfe in Pfoten, Gefieder oder Flosse gelegt hat.
Dann plustert sich der mächtige Papagei, streckt seine roten Flügel von sich und ruft laut und deutlich: „Guuuute Naacht.“
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