Diebe im Atelier

Malergenie Lüpertz ausgeraubt

Die Täter fuhren mit dem Auto in die Halle und bedienten sich.

Alexander Schmalz Gerhard Lehrke
Lesezeit 3 Min
Maler Markus  Lüpertz (74) arbeitet in Teltow. Er gilt als Exzentriker, der seinen eigenen Geniekult betreibt. Jetzt vermisst er 32 seiner Werke.

Maler Markus  Lüpertz (74) arbeitet in Teltow. Er gilt als Exzentriker, der seinen eigenen Geniekult betreibt. Jetzt vermisst er 32 seiner Werke.

© dpa

In Lüpertz’ Atelier in Teltow herrscht Chaos: Hier brachen Unbekannte am Wochenende ein und nahmen über 30 Werke des berühmten Künstlers mit.

In Lüpertz’ Atelier in Teltow herrscht Chaos: Hier brachen Unbekannte am Wochenende ein und nahmen über 30 Werke des berühmten Künstlers mit.

© Klaus Oberst

Deshalb mussten sie auch nicht weit schleppen: Mindestens eine 30 bis 40 Zentimeter hohe, vielleicht auch drei Bronzeskulpturen, eine Collage (ein  Meter  x zwei Meter) sowie dreißig Pinselzeichnungen, Aquarelle und Grafiken mussten weggeschafft werden. Unter den Werken befanden sich 15 unfertige Ölbilder, die noch nicht mit dem berühmten „ML“ signiert worden waren.

Otterbein hatte  die Tat am Montagvormittag entdeckt. Die Polizei geht davon aus, dass sich die Tat in  der  Nacht von Sonnabend auf Sonntag oder von Sonntag auf Montag abgespielt hat. Sie spricht  von einem Schaden „im sechsstelligen Bereich“ – wahrscheinlich mehr an der Million als an 100 000 Euro.

Ein Werk von Lüpertz, das entwendet wurde.

Ein Werk von Lüpertz, das entwendet wurde.

© Polizei

Der besessene Zeichner Lüpertz, der sich mit dicken Ringen, elegantem Gehstock und Nelke im Revers gern als „Malerfürst“ präsentiert,  war „fassungslos“ über den Einbruch, berichtet der Freund. Wer so offen und freundlich sei wie Lüpertz, den treffe ein  solches Eindringen in die Privatsphäre doppelt. Zum Glück haben die Täter das Apartment, das zum Atelier gehört, nicht betreten. Der Künstler arbeitet seit einem Dutzend Jahren in dem Atelier, ehemals Ausstellungshalle eines Bauprojekts mit angeschlossenen Baucontainern.

Otterbein hofft, dass die Täter auffliegen, wenn sie ihre Beute versilbern  wollen: „Ich erwarte die Anfrage potenzieller Käufer bei uns: Ist das von Lüpertz? Könnt ihr die Echtheit bestätigen?“ Denn die Werke sind der Öffentlichkeit noch unbekannt.

Lüpertz, der Wohnsitze in Berlin, Düsseldorf, Karlsruhe und in der Toskana  hat,   war in Berlin schon einmal Opfer eines Diebstahls geworden: Auf dem Flughafen Tegel zupfte ihm ein Dieb eine Tasche zwischen den Beinen weg, als er telefonierte. Neben Kreditkarten, Ringen, Bootsführerschein und  Waffenbesitzkarte  verschwanden damals Skizzen für vier Wandgemälde im Kanzleramt.

Der Künstler, der mit seiner Eitelkeit kokettiert („Wir wollen doch nicht bescheiden sein“), dessen Werk  als kraftvoll, monumental und archaisch beschrieben wird, der Professuren innehatte, aber mit den Plänen für eine eigene  Akademie in Potsdam nicht zu Potte kam, der aus der Fremdenlegion desertierte und fünf Kinder hat, ist gegenwärtig in Berlin ausgestellt: Bis 7. Februar werden sieben seiner Skulpturen und ein Dutzend Zeichnungen im und am Bode-Museum gezeigt, das er als „ideales Museum“ empfindet.

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