Die Zeit der Künstler ist vorbei, Werder wirkt müde und verbraucht

Steffen Simon
Lesezeit 2 Min

Der Platzverweis von Tim Wiese war für mich die Szene des Spieltages. Dieser schlampig eingesprungene Kung-Fu-Tritt - weit vorbei an Bayern-Müllers Weichteilen, Solar Plexus oder Kinnspitze - und dann der direkte Abgang, ohne die Rote Karte abzuwarten. In diesen Sekunden lag alles dieser Bremer Katastrophen-Saison. Ungeschicklichkeit, Wut, Frust und am Ende die größtmögliche Niederlage.Werder verliert in den nächsten Wochen seinen einzigen Kämpfer und konstant guten Spieler. Samstags macht es im Moment keinen Spaß, mit einer Bremerin verheiratet zu sein, denn die Grün-Weißen sind dabei abzusteigen. Das ist genauso unvorstellbar wie traurig.In den letzten Jahren hat man mit Fußball von der Weser nur Gutes verbunden. Künstler wie Micoud, Diego oder Özil prägten eine moderne, schöne Spielkunst. Dass diese Ära jetzt zu Ende geht, liegt nicht nur an der Alterslangsamkeit von Frings, der Verletzungsanfälligkeit von Pizarro oder dem Phlegma von Hunt. Der Fußball verändert sich in Wellenbewegungen. 2003, als Werder Double-Sieger wurde, waren One-Touch-Fußball und Mittelfeldraute so modern, dass ganz Europa aufmerksam hinschaute. Sieben Jahre später hat sich jeder Gegner darauf eingestellt. Werder Bremen wirkt aktuell nur noch müde und verbraucht. Schade.

Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com