Klebba: „Diese ganze Diskussion um den Trainer nervt mich. Es war doch die typische Union-Lösung, einen Trainer wie Düwel zu holen. Er hat bei großen Klubs gearbeitet, er muss also was können. Er ist zwar einer ohne großen Namen, ohne große Lorbeeren. Aber das war damals bei Uwe Neuhaus vor acht Jahren auch so. Von daher war mir die Lösung gleich sympathisch.“
Richter: „Sehe ich anders.“
Klebba: „Dachte ich mir.“
Richter: „Düwel kam als völlig Unbekannter her. Und genau so war die Mannschaft für ihn. Er kannte sie nicht! Das haben schon die ersten Testspiele gezeigt, in denen er Özbek als Spielmacher aufgestellt hat. Obwohl der im letzten halben Jahr keine Rolle gespielt hat und sogar aussortiert war. Und das auch gar nicht seine Position ist. Klares Zeichen: Düwel war völlig unvorbereitet.“
Klebba: „Moment! Er wusste, was los ist! Ein kompletter Neuanfang, wie wir ihn gefordert haben, war es ja nicht. Er hat mit Hofi und Böni zwei Leute an der Seite, die den Verein und die Spieler bestens kennen.“
Richter: „Aber Düwel trifft als Chef die Entscheidungen. Er bestimmt das System und die Aufstellung. Und die ist in jedem Spiel immer anders. So kann die Mannschaft sich doch nicht einspielen und finden. Ist doch klar, dass man so nicht erfolgreich ist. Und wenn wir mal auf unsere Punkte gucken ...“
Klebba: „ ... ja, immer diese Punkte. Die Saison ist doch noch jung. Alles ist eng zusammen.“
Richter: „Noch jung? Es ist bald die Hälfte rum. Und vom Punkteschnitt her sind wir nicht besser als mit UN und der musste am Ende der Saison gehen.“
Klebba: „Das kann man aber nicht nur am Trainer festmachen. Das ist zu einfach gedacht. Viel zu einfach. Was kann denn der Trainer dafür, wenn die Jungs Pässe über ein paar Meter nicht hinbekommen, wenn sie bei Standards pennen, wenn sie immer wieder individuelle Fehler machen? Auf dem Platz sind die Spieler dafür verantwortlich. Und solche einfachen Dinge erwarte ich einfach von einem Zweitliga-Spieler, dass er sie kann. Ich denke aber, wir sind auf dem richtigen Weg.“
Richter: „Auf dem Platz steht er nicht, nein. Aber der Trainer legt die Taktik fest. Wenn ich aber sehe, was die Mannschaft da teilweise macht, besonders wie in Ingolstadt bei den Standards, dann frage ich mich, ob der Trainer seine taktischen Vorgaben den Spielern nicht rüberbringen kann. Jedenfalls nicht so, dass sie die kapieren. Vielleicht will er auch zu schwierige Dinge.“
Klebba: „Das braucht alles Zeit und das mit den Standards ist doch kein neues Problem. Das gab es auch unter UN.“
Richter: „Dann hätte ich aber im Sommer reagieren und neue Spieler für die Abwehr holen müssen. Aber was ist da passiert? Fast nichts! Wir haben ja nicht mal Ersatz für Tusche geholt.“
Klebba: „Das mit den Neuverpflichtungen war ja schon ziemlich früh alles klar. Es ist für Union immer noch nicht so einfach. Die Spieler rennen uns ja nicht das Forsthaus ein. Wir zahlen keine Ablösesummen. Das hat Düwel sich bestimmt auch anders gedacht als er herkam. Deshalb muss er auch größtenteils mit dem Spielermaterial klarkommen, das schon da war. Das ist aber allemal zweitligatauglich. So ein Holperjahr hat jede Mannschaft mal. Mensch, es lief die ganzen Jahre hier so gut. Andere Mannschaften wie 1860 haben viel größere Probleme.“
Richter: „Ja, aber trotzdem trennen uns nur zwei Pünktchen vom Abstiegsplatz. Der Trainer ist das schwächste Glied. Und wenn etwas nicht funktioniert, muss man es ändern. Ich weiß nicht, ob wir es uns leisten können, ewig an Düwel festzuhalten, mit ihm vielleicht abzusteigen.“
Klebba: „Werden wir nicht! Ich würde auch nicht sagen, dass Düwel den größten Anteil am Holperstart hat. Klar, er ist der Vorreiter, er gibt seinen Namen dafür her und so weiter und sofort. Aber ich sehe die Schuld nicht nur bei ihm. Das ist eine Mischung aus allen, die damit zu tun haben. Wie du sagst: Der Trainer ist das schwächste Glied, deshalb wird er als erster in Frage gestellt.“
Richter: „Genau. Du kannst ja keine ganze Mannschaft austauschen.“
Klebba: „Musst du auch nicht. Und auch nicht den Trainer. Der wird das schon hinkriegen. Da bin ich mir ganz sicher.“
Richter: „Ich weiß ja nicht. Aber eines weiß ich ganz sicher: Auch wenn ich gegen Düwel bin, Trainer-raus-Rufe gehören nicht ins Stadion. Das ist nicht Union!“
Klebba: „Ein gutes Schlusswort. Da bin ich endlich mal deiner Meinung.“
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