Die Versprechungen der Pharma-Hersteller sind oft zu vollmundig

Pillen helfen nicht immer

BK
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"Mit Schwindelmedikamenten im doppelten Wortsinn werden Millionen verdient. Dazu tragen die vollmundigen Versprechungen mancher Pharmahersteller bei, aber auch der schnelle Griff vieler Ärzte zum Rezeptblock und nicht zuletzt auch der Wunsch der Patienten, durch ein Medikament schnell wieder beschwerdefrei zu werden", erklärt der Neurologe Professor Thomas Lempert in seinem Buch "Wirksame Hilfe bei Schwindel" (siehe Buchtipp Seite 8)."Schwindeldämpfende Medikamente (Antivertiginosa) unterdrücken die Aktivität des Gleichgewichtssystems", so der Experte. Sie spielten jedoch bei der Behandlung des Schwindels eine untergeordnete Rolle und seien nur in zwei Situationen sinnvoll:bei akutem vestibulären Drehschwindel (Neuritis vestibularis, Meniére-Erkrankung, Migräneschwindel, akute Funktionsstörung des Gleichgewichtszentrums)zur Vorbeugung der Reisekrankheit."Schwindeldämpfende Medikamente sollten nicht länger als zwei Tage eingenommen werden, da sie den Erholungsprozess im Gleichgewichtssystem hemmen", rät Professor Lempert: "In der Behandlung des Lageschwindels und chronischer Schwindelformen haben sie in aller Regel keinen Platz.Gebräuchliche Antivertiginosa und ihre möglichen Nebenwirkungen:Wirkstoff Dimenhydrinat: Nebenwirkungen können Müdigkeit, Dämpfung, Harnverhalt, Mundtrockenheit, verschwommenes Sehen, grüner Star sein.Wirkstoff Meclozin: Nebenwirkungen siehe Dimenhydrinat.Wirkstoff Scopolamin: Nebenwirkungen sind Mund-trockenheit. Hautrötung, Harnverhalt, Pulsbeschleunigung, verschwommenes Sehen, grüner Star.Wirkstoff Sulpirid: Nebenwirkungen sind unwillkürliche Bewegungen, Schlafstörungen, Übelkeit, verschwommenes SehenWirkstoff Ingwerwurzel: keine Nebenwirkungen!Tierexperimente haben gezeigt, dass die Erholung nach dem Ausfall eines Gleichgewichtsorgans medikamentös beschleunigt werden kann. Als hilfreich haben sich unter anderem Koffein, Amphetamine, Betahistin und ein Spezialextrakt aus den Blättern des Ginkgo-Baumes (Ginkgo biloba) erwiesen. Eine Meniére-Erkrankung mit häufigen Attacken kann vorbeugend mit der Substanz Betahistin behandelt werden. Professor Lempert: "Damit lassen sich die Anfälle zwar kaum vollständig unterdrücken, oft geht aber die Häufigkeit und Schwere zurück."

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