Alles Verschweigen, Vertuschen, Verharmlosen - es ist vergebens. Stück für Stück kommen die massiven Sicherheitslücken, die Mauscheleien bei der Loveparade ans Licht. Alles deutet daraufhin: Es war tödliche Schlamperei.Das Festgelände war nicht für eine so große Teilnehmerzahl ausgelegt. Die Fluchtwege waren zu eng. Das tödliche Nadelöhr des Tunnels über der Karl-Lehr-Straße war bekannt. Es gab Alternativ-Pläne. Das alles wird jetzt bekannt.Ein internes Verwaltungsdokument zeigt laut "Spiegel online" gravierende Mängel beim Sicherheitskonzept für die Loveparade. Demnach war das Gelände in Duisburg für 250 000 Menschen freigegeben - dabei rechneten die Veranstalter mit deutlich mehr als einer Million. Das Schriftstück vom 21. Juli (Aktenzeichen 62-34-WL-2010-0026) umfasst gerade mal zwei Seiten. Darin befreit der Bearbeiter der Bauaufsicht im Duisburger Amt für Baurecht die Organisatoren von der Vorschrift, die vorgeschriebenen Breiten der Fluchtwege einhalten zu müssen. Sie erlaubten 10 Meter Breite. Viel zu wenig!Gleichzeitig verzichten die Beamten auf "Feuerwehrpläne", geben den Ausrichtern vor: "Die maximale Personenzahl, wird auf 250 000 Personen begrenzt." Kurz vorm Unglück sprach der Veranstalter stolz von etwa 1,4 Millionen Teilnehmern. Polizei und Feuerwehr hatten ein Sicherheitskonzept für die Loveparade entwickelt, mit dem sie sich nicht durchsetzen konnten.Offenbar gab es darüber noch am Freitag Diskussionen - ohne Ergebnis. Dabei sollen Feuerwehr und Polizisten nochmals deutlich gemacht haben, dass die Großveranstaltung so nicht stattfinden könne. Laut "Kölnischer Rundschau" soll der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) die Erlaubnis zur Loveparade erst am Samstagmorgen um 9 Uhr erteilt haben. Ein Beamter sagte, den Verantwortlichen sei keine andere Wahl mehr geblieben. Schließlich seien schon Tausende im Anmarsch gewesen.Eigentlich hätte die Polizei die Raver "großflächiger" anreisen lassen und Nadelöhrsituationen unbedingt verhindern wollen. Das hätte mehr Personal erfordert, und sei von der Verwaltung schließlich verworfen worden. Wolfgang Oscheschek von der Polizeigewerkschaft: "Wenn das Ordnungsamt sagt, wir ziehen das durch, dann ist die Polizei weisungsgebunden. Der Oberbürgermeister hätte die Veranstaltung absagen müssen." Aber auch Stadt und Organisatoren weisen alle Schuld von sich. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Unbekannt.Was wird noch alles rauskommen? Von höchster Stelle wurde die Reißleine gezogen. Ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Innenministeriums: "Die Duisburger Polizei wird ihre Ermittlungen an eine andere Polizeibehörde abgeben, um neutrale Ermittlungen zu gewährleisten." Köln soll übernehmen.------------------------------Karte: Tödliche EngeBU: Polizei-Vize Detlef von Schmeling, Loveparade-Manager Rainer Schaller und OB Adolf Sauerland sehen sich schlimmen Vorwürfen ausgesetzt.Zwischenzeile: DUISBURGER POLIZEI MUSS ERMITTLUNGEN ABGEBEN
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