Die Todes- Parade Chronik einer angekündigten Katastrophe

+++ DIE KATASTROPHE VON DUISBURG +++

BK
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Am Todestunnel liegen Blumen, werden Kerzen entzündet, werden Tränen geweint. Es ist wie ein nicht enden wollender Gang zum Friedhof. Davongekommene kehren zurück an den Ort des Schreckens, als ließe er sie nicht mehr los. Die düstere Prophezeiung eines Bloggers hat sich auf grausame Weise erfüllt. "Ich sehe schon Tote!", erklärt er im Internet, als er den Verlauf Loveparade-Route verfolgt. Er ist nicht der Einzige, der warnt. Die Polizei blickt mit Sorge auf die Millionenparty, will die Gäste "großflächiger" anreisen lassen, scheitert aber mit ihren aufwendigen Sicherheitskonzept an der Stadt.Dies ist die Chronik einer angekündigten Katastrophe.Friedlich, ausgelassen beginnt es am Morgen, als sich 490 000 Duisburger bereit machen, die fröhliche Techno-Gemeinde aus der ganzen Welt zu empfangen. Mindestens 1 Million Menschen würden herbeiströmen. Das Ruhrgebiet als Gastgeber der legendären Loveparade. Ein Massenevent der ganz besonderen Art, etwas, das im Gedächtnis fürs Leben bleibt. Die Sonne scheint an diesem Tag nicht ganz so gnadenlos wie in den vergangenen Wochen. 24 Grad, blauer Himmel. Ideales Partywetter mit oder ohne T-Shirt am Leib.14 Uhr: 16 Wagen setzen sich in Bewegung, um mit wummernden Bässen auf dem stillgelegten Güterbahnhof zu kreisen. Gut gelaunte Menschen klatschen, singen, raven dazu. Es werden immer mehr. Sie entsteigen Zügen, wandern im straffen Fußmarsch durch die Innenstadt zur Party.15.56 Uhr: Der Hauptbahnhof wird gesperrt. Menschen laufen über die Gleise. Die Stimmung heizt sich auf. Es gibt erste Rempeleien. Es ist einfach zu voll.16.45 Uhr: 500 000 Leute stehen vor dem Veranstaltungsgelände, der jetzt wegen Überfüllung geschlossen ist. Eingezwängt zwischen Körpern. Gefangen in einem viel zu engen Tunnel. Der einzige Zugangsweg. Das Nadelöhr, das zur Todesfalle wird. Die einen drängen vorwärts, die anderen zurück.17 Uhr: Die Luft im Karl-Lehr-Tunnel wird dünn. Leute klappen kraftlos zusammen.17.15 Uhr: Plötzlich regnet es Menschen. Sie fallen in Trauben herab. Vom Gitter der Rampe, über das sie steigen wollten. Vom Lichtmast. Mit zerschmettertem Rückgrat bleiben sie liegen. Panik bricht los. Weg, nur weg! Viele wollen die schmale steinerne Notfalltreppe vor dem Tunneleingang hinauf, die versperrt ist. Sie verlieren den Halt. In Todesangst steigen Menschen über sie hinweg, zertrampeln sie. 14 der Toten werden später auf dieser Rampe vor dem Tunnel geborgen. Fünf sterben auf dem Weg ins Krankenhaus oder dort .17.54 Uhr: Erste Meldungen von Toten werden in die Welt geschickt. Zehn, heißt es zuerst von der Polizei .18 Uhr: Es dauert lange, bis Rettungskräfte den Hilflosen beistehen. Zuerst sind nur zwei, drei Helfer vom Malteser Dienst da. Kein Platz für Feuerwehr und Sanitäter, mit Fahrzeugen durchzudringen. Von der nahe gelegenen Autobahn starten immer wieder Hubschrauber, um Verletzte fortzubringen. Die A 59 ist für den Verkehr gesperrt. Sie dient als einziger Rettungsweg. Notlazarette für die Behandlung der Verletzten werden aufgestellt.18.10 Uhr: Nur langsam leert sich der Tunnel. Menschen stolpern über die Gleise am Gelände.18.30 Uhr: Die Stadt spricht inzwischen von 45 Verletzten - 342 werden es am Ende sein.19.10 Uhr: Endlich! Die Notausgänge werden geöffnet.19.25 Uhr: Die Polizei bestätigt 15 Tote23.20 Uhr: Die Zahl der Opfer erhöht auf 18.Die Musik verstummt nicht, als am Tunnel geschrien, geblutet, gestorben wird. Das ahnungslose Partyvolk tanzt weiter. "Um weitere Panik zu vermeiden", verschweigen Verantwortliche die Tragödie. Doch in den Straßen Duisburgs sieht man mehr und mehr betroffene Gesichter. Manche erfahren per SMS von der Katastrophe. Andere von jenen. die dem Grauen gerade noch entkommen sind.Verbogene Absperrungsgitter erzählen davon. Verlorene Schuhe und Stofffetzen, die einmal Sachen waren, die Körper kleideten. Junge Menschen sehen zum ersten Mal in ihrem Leben andere junge Menschen sterben, halten erkaltende Hände, ohne zu begreifen, dass es die Hände von Toten sind.Der Tag danach und eine bohrende Frage: WARUM? Verzweifelte , fassungslose, traurige Bürger wollen wissen, wieso die Loveparade zur Todes-Parade wurde . Mitten in Deutschland. In einer großen Stadt. An einem schönen Sommertag.Fortan wird Duisburg die Stadt sein, in der die Loveparade starb.------------------------------17 Uhr: Kurz vor der Panik18 Uhr: Retter kommen spätBuh-Rufe auf den Bürgermeister

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