Aus Baumstämmen und einem Holzzaun an der Technischen Universität wurde Holzkohle. Pappelsamen verursachten das Feuer.
© Bernd Friedel
Die meisten Feuer entstanden in Parks oder Laubenkolonien – wahrscheinlich durch weggeworfene Zigarettenkippen oder wegen durch Glasscherben gebündelten Sonnenlichts. Nur einmal musste die Feuerwehr mit gut 20 Mann ausrücken: Auf dem Gelände der TU an der Fasanen- Ecke Müller-Breslau-Straße (Charlottenburg) hatte das federleichte Gespinst trockenes Laub mitentzündet – neben zwei 50-Liter-Drucktanks. Die Feuerwehr kühlte sie mit Wasser, damit sie nicht platzen, überprüfte sie mit einer Wärmebildkamera. Zum Glück enthielten die Tanks nur nicht brennbaren Stickstoff.
Vor drei Jahren mussten allerdings schon einmal vier Löschfahrzeuge los, weil die Flocken trockenes Laub und abgebrochene Äste auf einer größeren Fläche im Unterholz des Tiergartens entzündet hatten.
Die meisten Berliner finden die Pappelflocken nervig. Sie dringen in die Wohnung, setzen sich in jede Ecke, Balkonpflanzen sind zugefasert. Auch wenn die Flocken nachweislich keine Allergien auslösen, höchstens ein Niesen, erfüllen sie Allergiker mit Bangen.
Drei Billionen Samen
In Berlin stehen etwa 11 000 Pappeln – 2,5 Prozent allein des städtischen Straßenbaumbestandes von 438 000 Exemplaren. Jede Pappel produziert bis zu 28 Millionen Samen. Macht mehr als drei Billionen Samen allein in Berlin.
Pro Baum dauert es etwa zwei Wochen, bis er ausgeschneit hat – allerdings nicht bei allen Pappeln gleichzeitig: Neben den heimischen Zitter- und Silberpappeln gibt es in Berlin noch als Ziergehölz gepflanzte nordamerikanische und asiatische Arten, erklärt der Botaniker Professor Dr. Kurt Zoglauer von der Humboldt-Universität.
„Bei trockenem Wetter Ende Mai, Anfang Juni treten die Samen massiv auf“, sagt er. Nach der Landung, wenn sie geeigneten Boden und etwas Feuchtigkeit finden, entsteht noch in diesem Jahr ein Bäumchen.
Im kommenden Jahr stehen dann unter Umständen ganze neue Büsche, weil es nicht nur einen zentralen Pappel-Stamm gibt, sondern aus den bodennahen Wurzeln weitere Stämmchen ins Freie brechen. So sind Pappeln in der Lage, freie Flächen sehr schnell zu begrünen.
Bei allem Ärger: Die auch Pappelflaum oder Pappelwolle genannte Pracht besteht aus einer der feinsten Pflanzenfasern, die es überhaupt gibt. Sie ist wegen ihrer vielen winzigen Hohlräume überaus leicht, wärmt und ist feuchtigkeitsregulierend. Die zarte Wolle wird bereits in Steppkleidung und Bettdecken gefüllt, zu Garn und Vliesstoffen, Filtermembranen und Wundauflagen verarbeitet.
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