In der letzten Woche sind in 47 Zügen der Deutschen Bahn die Klimaanlagen ausgefallen. So ist es eben: wenn die Politik sich einer Ideologie ausliefert, sind am Ende die Menschen die Leidtragenden.Vor 60 Jahren begründete der Wirtschaftsprofessor Milton Friedman aus Chicago die Vergötzung des Marktes als herrschende Wirtschaftslehre und eroberte die Köpfe der Wirtschaftsprofessoren, Journalisten und Politiker. So viel Markt wie irgend möglich und nur so viel Staat wie unbedingt nötig, war die Parole. Also haben die Politiker eine staatliche Aufgabe nach der anderen privatisiert: U-Bahn, Eisenbahn, Post, Sparkassen, Krankenhäuser, Sozialwohnungen. Einrichtungen, die eigentlich zum Wohle und Schutz der Menschen gedacht waren, wurden dem Wettbewerb ausgesetzt, mussten also, um bestehen zu können, immer billiger werden und waren gezwungen, zu rationalisieren und zu sparen.Und wo kann man ohne viel zu denken am besten sparen?: natürlich bei der Ausrüstung und beim Personal. Vor fünf Jahren hatte der Vorstand der Deutschen Bahn die Wahnidee, das Unternehmen an die Aktienbörse zu bringen. Das ging nur, wenn die Anleger eine hohe Rendite erwarten konnten. Also wollte man die Lokführer und andere Mitarbeiter der Bahn schlecht bezahlen und hatte die Qualität der technischen Ausrüstung vermindert.Die Achsen vieler Züge waren der Belastung bald nicht mehr gewachsen, Wagen entgleisten, Züge blieben liegen und jetzt sind eben auch die Klimaanlagen ausgefallen. Wann werden die Verantwortlichen endlich kapieren, dass bei den öffentlichen Diensten nicht die Gewinnmaximierung, sondern das Wohl der Menschen das oberste Gebot sein muss?
Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com