Die nächste Pfusch-Baustelle

Jetzt hat auch der Bundestag seinen BER

Parlament will 5.200 Quadratmeter Ersatz für 10 Jahre anmieten.

Ulrich Paul
Lesezeit 2 Min
Gut gesichert: Die Baustelle für den Bundestag an derLuisenstraße in Mitte, gleich gegenüber dem Reichstag.

Gut gesichert: Die Baustelle für den Bundestag an derLuisenstraße in Mitte, gleich gegenüber dem Reichstag.

© Markus Wächter

Sieht nicht so aus, als würde der Bundestag noch daran glauben, dass der Anbau des Lüders-Hauses bald fertig wird. Kosten für die anzumietenden Büros: Insgesamt 13,6 Millionen Euro. Das geht aus einem Schreiben des Bundestags an das Finanzministerium hervor. Die Mietfläche könnte sich sogar noch ändern, heißt es  – und damit die Gesamtmiete. Billiger wird’s aber voraussichtlich nicht.

Der Bau für die Erweiterung des Lüders-Hauses begann 2010. Mit dem Projekt soll die Planung des Architekten Stephan Braunfels aus den 90er-Jahren vollendet werden. Ein Wohnhaus an der Luisenstraße stand der Verwirklichung damals zunächst im Weg. Deswegen wurde von 1998 bis 2003  nur ein Teil des Braunfels-Entwurfs realisiert. 

Ein Sanierungsfall: Erweiterungsbau fürs Marie-Elisabeth-Lüders-Haus.

Ein Sanierungsfall: Erweiterungsbau fürs Marie-Elisabeth-Lüders-Haus.

© Markus Wächter / Waechter

Nachdem das Wohnhaus abgerissen wurde, konnte 2010 die Vollendung des Lüders-Hauses in Angriff genommen werden. Im Lüders-Haus befinden sich unter anderem die Bundestags-Bibliothek und Sitzungsräume. Im Anbau entstehen Abgeordnetenbüros, Archivflächen und weitere Räume. Markantes Symbol des Erweiterungsbaus ist ein runder Turm, der 36 Meter in den Himmel ragt. Ursprünglich sollte der Anbau schon im Jahr 2014 stehen. Doch dann verzögerte sich die Fertigstellung. Erst auf das Jahr 2015, dann auf 2016.

Derzeit wird gar kein fester Termin mehr genannt. Nur eine Zeitspanne: die nächste Legislaturperiode – die geht von 2017 bis 2021. Erst war ein Streit um die Auftragsvergabe der Grund für die Verzögerung, dann war es Pfusch am Bau. Die Bodenplatte ist undicht. Feuchtigkeit dringt ein. Das Haus ist deswegen noch vor der Fertigstellung ein Sanierungsfall. Wer für den Pfusch verantwortlich ist, lässt sich nach Auskunft des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR) noch nicht sagen.

Derzeit läuft ein Beweissicherungsverfahren, bei dem das geklärt werden soll. Eins ist aber klar. Die Kosten für den Erweiterungsbau steigen und steigen. Ursprünglich sollte er rund 190 Millionen Euro kosten, dann 195 Millionen. Jetzt spricht das BBR bereits von rund 223 Millionen Euro. Davon werden allein für die Schadensbeseitigung an der Bodenplatte „vorerst“ 16 Millionen Euro veranschlagt. Vorerst.

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