Die Macht der Auto-Lobby

Ein Fall von Staatsversagen

Eine systemrelevante Autoindustrie ist überholt - die Politik muss sich losreißen.

Michael H. Spreng
Lesezeit 2 Min
Frech, müde und verantwortungslos: Die Autoindustrie hat sich einen Raum geschaffen, indem sie meint, dass nur ihre eigenen Regeln gelten.

Frech, müde und verantwortungslos: Die Autoindustrie hat sich einen Raum geschaffen, indem sie meint, dass nur ihre eigenen Regeln gelten.

© imago/photothek

Jahrzehnte lang wurde die deutsche Autoindustrie, allen voran VW, von der Politik gehätschelt und gepflegt. Das ist sogar verständlich, denn von ihr hängen direkt 800.000 Arbeitsplätze ab, indirekt sogar 1,8 Millionen. Die Autoindustrie steht für 7,7 Prozent der gesamten deutschen Wirtschaftsleistung.

Heute ist sie so bedeutend, dass sie – wie in der Finanzkrise die Banken – als „systemrelevant“ gilt. Jahrelang wechselten hochkarätige Politiker von der CDU, aber auch der SPD in Spitzenjobs der Autolobby, um deren Interessen gegenüber der Politik durchzusetzen.

Nur die eigenen Regeln gelten für die Autoindustrie

Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass die Bosse der Konzerne frech, müde und verantwortungslos wurden. Frech, indem sie glaubten, den Staat in der Tasche zu haben und sich nicht an Regeln wie Abgasnormen halten zu müssen. Frech, indem sie ihre Kunden mit falschen Abgas- und Verbrauchswerten betrogen. Müde, indem sie den Automobilfortschritt wie die Elektromobilität verschliefen. Und verantwortungslos, indem sie Abgasversuche mit Menschen und Affen veranlassten.

Die Autoindustrie hat sich einen Raum geschaffen, indem sie meint, dass nur ihre eigenen Regeln gelten.

Die Politik muss sich lösen

Deshalb ist es heuchlerisch, wenn sich heute Politiker von CDU/CSU, SPD und FDP empören und nach strengeren Kontrollen rufen. Diese hätten sie schon vor Jahren veranlassen müssen. Ein krasser Fall von Staatsversagen. Und der Untersuchungsausschuss des Bundestages zum Abgasskandal war auch nur ein schlechter Witz.

Wenn sich die Politik nicht mit Brachialgewalt aus der Abhängigkeit von der Autoindustrie befreit und ihr klare Vorgaben macht, wenn sie nicht die Arroganz der Bosse bricht, dann können am Ende auch die vielbeschworenen Arbeitsplätze nicht gesichert werden.

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