Die Macher hinter den Kulissen

Der harte Weg zum Schlager-Star

Volker Neumüller und Uwe Kanthak haben das Wort im Geschäft mit den großen Emotionen.

Marcus Böttcher
Lesezeit 6 Min
Seit 2013 arbeiten Beatrice Egli und Volker Neumüller zusammen. Der Berliner betreut mit seiner Firma „313 Music“ mit Sitz in Spandau auch Ex-Spice-Girl Melanie C. und den Teltower Schlagersänger Mitch Keller.

Seit 2013 arbeiten Beatrice Egli und Volker Neumüller zusammen. Der Berliner betreut mit seiner Firma „313 Music“ mit Sitz in Spandau auch Ex-Spice-Girl Melanie C. und den Teltower Schlagersänger Mitch Keller.

© imago/STAR-MEDIA

Hinter jedem starken Mann steht eine noch stärkere Frau. So heißt es im Volksmund. Im Schlager ist es umgekehrt. Gestern erklärte der KURIER in seiner großen Schlagerserie das Phänomen der weiblichen Dominanz im Business – heute zeigen wir die Macher dahinter, erklären ihre Arbeitsweisen, die Taktiken, die Verdienste, künstlerisch wie finanziell.

Die Karriere begann 4 Uhr morgens. Beatrice Egli schälte sich im Mai 2013 aus ihrem Bett, jettete an die spanische Costa Brava. Nach dem Sieg in der Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“, anschließender Party und Interview-Marathon stand der Videodreh für ihre erste Single „Mein Herz“ auf dem Terminplan. Dieser ist seitdem, also seit vier Jahren, prall gefüllt.

Musikmanager Volker Neumüller ist eine feste Größe im Schlager-Business.

Musikmanager Volker Neumüller ist eine feste Größe im Schlager-Business.

© imago/Hartenfelser

Seit der ersten Minute an Eglis Seite: Volker Neumüller als Manager und Joachim Wolf als musikalischer Leiter und seit den letzten beiden Alben auch als Produzent. Schon damals war der 47-Jährige Neumüller begeistert von der Professionalität seines Schützlings, musste das Energie-Bündel Beatrice eher bremsen als antreiben.

„Ich musste ihr damals oft sagen, dass jetzt mal Pause ist“, sagt Neumüller im Gespräch mit dem KURIER. Geändert hat sich an Eglis Einstellung nichts, was ein Erfolgsgrund ist: Vier Alben hat die Schweizerin mittlerweile veröffentlicht, den Echo, zweimal den Swiss Music Award und viele andere Preise gewonnen.

Der Hamburger Uwe Kanthak ist ein Mann der stillen Töne. Er spricht leise, Interviews gibt er nicht. Der derzeit wohl mächtigste Mann im Schlagergeschäft managte vor Superstar Helene Fischer unter anderem Michelle und Rex Gildo.

Der Hamburger Uwe Kanthak ist ein Mann der stillen Töne. Er spricht leise, Interviews gibt er nicht. Der derzeit wohl mächtigste Mann im Schlagergeschäft managte vor Superstar Helene Fischer unter anderem Michelle und Rex Gildo.

© WireImage/Getty Images

Bis es Egli so weit geschafft hatte, war eine Menge Arbeit nötig. Von der Sängerin selbst, auch vom Manager hinter den Kulissen. Die Fragen waren: Wie löst man Beatrice möglichst schnell vom Image der DSDS-Siegerin, wie erklärt man, dass die Schweizerin kein Produkt einer Castingshow, sondern eine eigene Künstlerin ist?

Neumüller: „Da muss man sich klare Meilensteine in der Planung setzen. Eigenes Album, eine Tournee, eigene TV-Show. Schritt für Schritt.“ Ein Patentrezept für den Aufbau eines Künstlers gibt es nirgendwo, der Job des Managers ist kein Ausbildungsberuf oder Studiengang. Neumüller: „Man muss Marketing- und Promotion-Expertise besitzen. In der Lage sein, das richtige Timing für Veröffentlichungen zu setzen.

Dem Künstler die Möglichkeit geben, zu wachsen. Und breite Schultern haben – um dem Star die Chance zu geben, seine Kreativität auszuleben.“ Beim Trio Neumüller/Wolf/Egli funktionierte der gefertigte Schlachtplan für ihre Karriere. Was macht einen Star zum Star, denn singen können viele?

Authentizität: Laut Neumüller unabdingbar. „Die Künstler, die auf sich aufmerksam machen, die funktionieren, sind die mit maximaler Glaubwürdigkeit. Das ist der Fuß, auf dem das Business steht.“ Technische Feinheiten wie bestimmte Gesangstechniken könne man lernen, Charisma nicht. „Versucht man, dies künstlich herzustellen, ist das zum Scheitern verurteilt.“

Feste Familienbande. Andrea Berg (li.) ist seit einem viertel Jahrhundert im Schlagergeschäft, verheiratet mit Uli Ferber. 

Feste Familienbande. Andrea Berg (li.) ist seit einem viertel Jahrhundert im Schlagergeschäft, verheiratet mit Uli Ferber. 

© imago/CHROMORANGE

Wiedererkennungswert: Bei vielen Schlagerstars müssen die Hörer auf den Radiomoderator warten, bis der verrät, wer das Lied gesungen hat. Außer bei den Guten. Songs von DJ Ötzi etwa, Andreas Gabalier, Andrea Berg und auch Beatrice Egli erkennen Fans nach drei Sekunden. „Man muss die Musik gar nicht mögen – aber ich muss wissen, wer das ist“, so Neumüller. 

Willen: Dass dem Schlager, und da vor allem den weiblichen Top-Stars, ein sauberes Image anheftet, ist nicht das Ergebnis eines reibungslosen Managements. „Die heutigen Größen sind einfach so“, sagt Neumüller. „In der Top-Liga wissen die Künstler, was für eine einmalige Chance sie haben, erfolgreich zu sein. Das setzen die nicht aufs Spiel. Sie wissen, dass sie privilegierte Menschen sind, die einen Beruf ausüben dürfen, der ihrer ganz inneren Neigung entspricht. Die wollen ihrer Körper gar nicht durch Alkohol, Drogen oder andere Eskapaden schwächen.“

Uli Ferbers Sohn Andreas managt Vanessa Mai – und ist ihr Verlobter. Auch beruflich läuft’s bei der 25-Jährigen, seit Wochen tanzt sie bei „Let’s Dance“ vor Millionen TV-Zuschauern. Am 15. Juli tritt sie beim Schlagerhammer von radio B2 (UKW 106,0) auf.

Uli Ferbers Sohn Andreas managt Vanessa Mai – und ist ihr Verlobter. Auch beruflich läuft’s bei der 25-Jährigen, seit Wochen tanzt sie bei „Let’s Dance“ vor Millionen TV-Zuschauern. Am 15. Juli tritt sie beim Schlagerhammer von radio B2 (UKW 106,0) auf.

© imago/CHROMORANGE

Denn das von außen so leichte Geschäft ist auch ein knallhartes Business. Wie viel die Manager dabei tatsächlich verdienen, ist Verhandlungssache. In die Karten lässt sich keiner schauen, in der Regel erhalten die Strippenzieher mindestens 15 bis 20 Prozent des Bruttoeinkommens des Künstlers. Auf alles, also sämtliche Plattenverkäufe, Verlags- bzw. Gema-Einnahmen, Einkommen von Tourneen und persönlichen Auftritten.
Dafür haben sie mit den Künstlern alle Hände voll zu tun.

Bei Neumüller (seit 30 Jahren im Geschäft) laufen die Planungen anderthalb Jahre ins Voraus, bis zur vierten Tournee 2018. Viel organisiert das Team seiner Firma „313 Music“, er sagt aber auch: „Der Künstler an sich ist immer Chefsache, ein Sänger hat keine basisdemokratischen Meetings mit 20 Mitarbeitern. Der Manager ist die Vertrauensperson.“ Und ab einer Größenordnung wie Egli ist das ein Fulltime-Job. „Ich bin rund um die Uhr für sie erreichbar.“

Das dürfte bei Helene Fischer und ihrem Manager Uwe Kanthak ähnlich sein. Über den Mann selbst ist wenig bekannt. Sicher ist: Er baute die heute 32-Jährige, die in Krasnojarsk geboren wurde, zum Superstar auf, gilt als wichtigster Mann im deutschen Musikgeschäft.

Die Sängerin Vanessa Mai steht in ZDF-Show "Willkommen bei Carmen Nebel" in Berlin auf der Bühne.

Die Sängerin Vanessa Mai steht in ZDF-Show "Willkommen bei Carmen Nebel" in Berlin auf der Bühne.

© dpa

Für ihn (bzw. Helene) räumte die ARD acht Minuten Sendezeit in der Halbzeitpause des DFB-Pokalfinales frei, ihre Albumpräsentation war das Platten-Ereignis des Jahres. Während andere Künstler mit einer neuen CD auf Promo- und Interview-Tour gehen, setzte sich Fischer lediglich in die Sendung von Thomas Gottschalk und sprach mit der Deutschen Presse-Agentur – deren Interview dann dankbar von Zeitungen und Online-Plattformen weiterverbreitet wurde.

Geschickt gemacht von Kanthak. Dadurch, dass Helene sich so rar macht, wird sie interessant. Vor allem bunte Klatsch-Portale lechzen nach jedem kleinen Fetzen Fischer. Kürzlich wurde auf Seiten mit Millionen Klicks mit vielen Worten erörtert, ob sie mit Nachnamen nicht doch Petrowna heißen würde (stimmt nicht!) oder was ein Tattoo auf dem Arm ihres Freundes Florian Silbereisen bedeuten könnte.
So weit wie Helene Fischer ist Vanessa Mai noch nicht.

Schlager-Superstar Helene Fischer beim Auftritt während des DFB-Pokalfinale.

Schlager-Superstar Helene Fischer beim Auftritt während des DFB-Pokalfinale.

© dpa

Für sie ist Promotion und Medienpräsenz immens wichtig. Dank ihres Managements schnuppert sie aber schon an der A-Liga. Seit 2013 ist die Schlagerschönheit, die am 15. Juli beim radio B2 Schlagerhammer auftritt, mit ihrem Verlobten Andreas Ferber glücklich. Der ist der Stiefsohn von Andrea Berg – und Vanessas Manager. Und auch hier irrt der Volksmund: Obwohl davon abgeraten wird, verschmelzen bei Mai und Ferber Berufliches und Privates. Und zwar erfolgreich.

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